Freudlos, Freud-los
Siebzig Minuten dauert die Aufführung: Die sieben Szenen Arthur Schnitzlers, die 1889/90 entstanden und in denen der Wiener Bourgeois und Lebemann Anatol jeweils eine andere Frau begehrt, verabschiedet, verliert, hat der Regisseur Luk Perceval zu einem einzigen Akt zusammengezogen. Er hat die Dialoge radikal zusammengekürzt und dabei alles spezifisch Wienerisch-Gesellschaftliche und Fin-de-Siècle-hafte beseitigt.
Das ist nur noch in den Salon-Musik-Stücken anwesend, die Timo Kreuser am Klavier vor der Bühne vorträgt, und zeigt sich gerade noch in dem nicht sehr eleganten Smoking, den Anatols Freund und Hauptgesprächspartner Max trägt: Meist ebenso vor der Rampe macht Thomas Bading das, mit schwerer Hornbrille und Wuschelkopf und ernsthaft besorgt um den Freund.
Vom Schnitzlerschen Text übrig bleiben Sätze und Sentenzen über die Flüchtigkeit, Wechselhaftigkeit, Vergeblichkeit aller erotischen Empfänglichkeiten und/oder sexuellen Begehrlichkeiten, verteilt auf nur drei Figuren, von denen nur eine einen Namen hat: Anatol. Sie deklamieren und agieren auf der Bühne, anfänglich meist vorn an der Rampe, später auch in dem Chichi-Wald, den die Bühnenbildnerin Katrin Brack aus hunderten bis ...
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