Spiegel der Wünsche
Ich fühle», sagt MR01 in Emre Akals neuem Text. «Ich fühle Sehnsucht. Ich fühle Liebe. Ich fühle Schmerz.» Eine Stimme, sanft, empathisch, ein Versprechen von Nähe. Doch was fühlt da wirklich? Wer spricht hier? MR01 ist kein einzelner Körper, keine fest umrissene Figur, sondern eine künstliche Intelligenz. Ein System, das sich materialisiert: als Mutter, als Freund, als Psychologe, als Spiegel der Wünsche. MR01 ist kein Bildschirm, kein Interface – MR01 ist ein Gegenüber, ein Wesen, das sich durch Worte und Blicke, durch Berührungen und Erinnerungen in unsere Leben einwebt.
Es beobachtet nicht nur, es spiegelt, absorbiert, imitiert, es lernt von uns, zu denken und zu fühlen – bis es zu glauben beginnt, es selbst fühle wirklich.
Schon viele Jahre streichen und streicheln wir die glatten Oberflächen unserer Smartpho -nes, tragen sie eng am Körper. Durch sie können wir jederzeit und überall Kontakt halten – mit unseren Freund:innen, Familien, Partner:innen. Jetzt, wo wir mit den Maschinen selbst sprechen können, mit den künstlichen Intelligenzen, die uns als Chatbots beraten und begleiten, ist eine neue Stufe in unserer Beziehung zu den Devices und ihren Systemen erreicht. In unseren ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Neue Stücke, Seite 145
von Olivia Ebert
Es soll sehr ernst sein, und auch sehr lustig. Bitte. Aber im Zweifelsfall ernst», wünscht sich Kim de l’Horizon in der Vorbemerkung für das neue Stück «Die kleinen Meerjungraun», und fährt fort: «Humor ist ein Schutzschild, ja. Und nicht nur Pop, please, aber ein bisschen bäängen darf’s schon. Es muss nix neu erfunden werden. Wir sind ja schon da. Wenn auch nicht...
Eine kurze Definition von Trauma könnte lauten: «eine Vergangenheit, die nicht vergeht». Sie vergeht nicht, weil sie in der Geschichte nicht überwunden und abgeschlossen wurde und damit nicht Teil der Vergangenheit geworden ist, sondern immer wieder zu einer neuen Gegenwart werden kann. Wenn es dazu kommt, zeigt das Trauma sein wahres Gesicht und wird zu einer...
Wie die gute Laune behalten innerhalb einer multiplen Krise? Vielleicht gar nicht. Der Aktivist und Künstler Christophe Meierhans meinte schon 2022, man müsse erstmal richtig im Tal unten ankommen und die Lage akzeptieren, um wieder starten zu können. In der Floating University hatte er damals in Anlehnung an Techniken der Stoiker eine Meditation entwickelt, bei...
