«Wer spielt, lebt»

Ersan Mondtag schert sich nicht um gute Laune, lebt lieber gefährlich und macht Theater

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Cheering up? Wirklich? In einer Zeit, in der die Realität anmutet wie ein überproduziertes Endzeitdrama – nur ohne Pause, ohne Pointe? Die Gegenwart gleicht einem frontal entgleisten Schnellzug. Der Himmel: ein leerer Bildschirm. Die Luft: gesättigt mit Meinung, aber erschreckend arm an Haltung. Die Gesellschaft wühlt sich durch Debatten wie durch Schuttberge, während unter der Oberfläche längst das Fundament bröckelt.

Und dann die Frage: Wie halte ich mich bei Laune?

Ganz einfach: gar nicht. Ich stürze, jeden Tag aufs Neue. Und das mit einer gewissen Konsequenz.

Ich inszeniere mein eigenes Scheitern als Akt der Würde. Gute Laune ist ein Konzept für Menschen mit Rücklagen und Balkon. Ich stehe am Rand, betrachte die Trümmer und frage mich: Ist das Licht dafür gut genug?

Ich denke oft an den Tod. Nicht aus Schwermut, sondern weil er mir den Abstand gibt, den der Tag verweigert. Der Tod ist ein stiller Begleiter. Kein Feind, kein Erlöser – vielmehr eine Konstante. Eine Absi -cherung gegen die Beliebigkeit des Tages. Eine Exit-Strategie, die nie gezogen werden muss, um wirksam zu sein. Beruhigend wie ein schwarzer Vorhang.

Das ist kein Ruf zur Selbstaufgabe. Keine postromantische ...

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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Cheering up, Seite 100
von Ersan Mondtag

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