Gefangen im Urtrauma
Eine kurze Definition von Trauma könnte lauten: «eine Vergangenheit, die nicht vergeht». Sie vergeht nicht, weil sie in der Geschichte nicht überwunden und abgeschlossen wurde und damit nicht Teil der Vergangenheit geworden ist, sondern immer wieder zu einer neuen Gegenwart werden kann. Wenn es dazu kommt, zeigt das Trauma sein wahres Gesicht und wird zu einer ewigen Gegenwart, aus der es kein Entkommen mehr gibt.
Wie stark diese Logik der individuellen Psyche auch die kollektive Psyche und damit die Politik bestimmen kann, lässt sich derzeit am Israel-Gaza-Krieg ablesen.
Ein Jahr nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem darauf folgenden Krieg in Gaza beschrieb Kardinal Pizzaballa in Jerusalem, was sich seitdem in der Region grund -legend verändert hat: «Ein weit verbreiteter Hass geht um, wie wir ihn noch nie gesehen haben – sowohl in der Sprache als auch in der physischen, militärischen Gewalt.» Mit Blick auf den Krieg erläuterte er: «In den Seelen der beiden Gesellschaften (ist) etwas zerbrochen. Die beiden Gesellschaften sind traumatisiert. Die israelische Gesellschaft hat den 7. Oktober als eine kleine Shoah erlebt. Und für die palästinensische Gesellschaft ist ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Umbrüche, Seite 56
von Aleida Assmann
Menschen wie im freien Fall. So wenig Halt bot ihnen die Bühne von Aleksandar Denic selten: Offene Weite gähnt im Berliner Ensemble, eine einsame rote Fahne säumt sie hinten an der Brandmauer. Die Unterbühne schaut etwas ausstaffierter aus: Eine Waschmaschine steht dort, eine Duschkabine. Auch ein paar Dutzend Panzerräder liegen herum, echte, stählerne, von der...
Text ist nach-dem Schreiben war / Schreiben ist wenn Worte werden / Wort ist wenn Buch-staben sind.»
Was bedeutet es etwas zu verstehen oder nicht zu verstehen? Welche Sprache braucht es dafür? Was passiert, wenn der Versuch des (Nicht-)Verstehens selbst zum Ge -genstand der künstlerischen Auseinandersetzung und eines Theatertextes wird? In der Spielzeit 2024/25...
Cheering up? Wirklich? In einer Zeit, in der die Realität anmutet wie ein überproduziertes Endzeitdrama – nur ohne Pause, ohne Pointe? Die Gegenwart gleicht einem frontal entgleisten Schnellzug. Der Himmel: ein leerer Bildschirm. Die Luft: gesättigt mit Meinung, aber erschreckend arm an Haltung. Die Gesellschaft wühlt sich durch Debatten wie durch Schuttberge,...
