«Man kann immer größer werden»
Karin Cerny «Sancta» war deine erste Arbeit an einer Oper. Welche Erfahrungen hast du in dieser Institution gemacht, ist sie ähnlich patriarchal wie die Kirche?
Florentina Holzinger Es fiel uns schon schwer, eine Dirigentin zu finden, die vom Orchester akzeptiert wird. Dabei gibt es viele sehr gute Frauen. Aber es ist definitiv noch eine Männerwelt, die an der Oper den Ton angibt. Generell sind die Hierarchien enorm und sehr fremd für mich als experimentelle Künstlerin aus der Freien Szene.
Aber diese gewaltige Strukturierung aller Vorgänge hat auch viele Vorteile. Alles ist viel effizienter. Alle sind extrem höflich zueinander. Andererseits habe ich dabei wieder gelernt, meine eigene Ineffizienz wert zu schätzen. Spannende Kunst hat zum Glück selten mit Effizienz zu tun, ein künstlerischer Prozess ist im seltensten Fall ökonomisch.
Cerny Opernhäuser lieben klassische Stoffe wie «Don Giovanni». War es schwierig, eine Außenseiter-Oper durchzusetzen?
Holzinger Ich habe zum Glück mit Häusern zusammengearbeitet, die eher angetan waren von unserer Stückauswahl. Paul Hindemiths «Sancta Susanna» ist definitiv kein Stoff, der auf den Opernbühnen auf- und abgespielt wird. Leute tun sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 24
von Karin Cerny
Es passiert selten, dass eine Theaterfigur sich tief einbrennt in die Erinnerung. Dass sie binnen einer Aufführung ganz und gar Mensch zu werden scheint. Ehrlich, unverstellt und durch und durch. Voller Schmerz und voller Scham und ganz ohne Kitsch. Moritz Kienemann ist das gelungen. In seiner Darstellung der, oder besser in seinem Werden zur Figur des Eugen...
Die Kunst sei «folgenlos, nicht wirklich wirkend». Starke Worte – geäußert hat sie niemand anders als Carl Hegemann, der kürzlich viel zu früh verstorbene legendäre Dramaturg, Autor, Professor, Gedankensprüher, Volksbühnenheld, Vielredner (s. TH 07/2009). Sein Gewährsmann heißt Friedrich Schiller. Die Folgenlosigkeit sei der hohe Preis, den die Kunst bezahlen müsse...
1 Stück
2 Inszenierung, Performance/Dramaturgie
3 Bühnenbild, Video, Kostüme
4 Schauspielerin
5 Schauspieler
6 Gesamtleistung eines Theaters
7 Beste:r Nachwuchskünstler:in
8 Ärgerlichste Erfahrung des Jahres
Margarete Affenzeller
«Der Standard», Wien
1 Eve Leigh «Verbranntes Land (Salty Irina)»
2 Regie/Choreografie: Florentina Holzinger und Dramaturgie: Felix...
