Spaß und Gewalt
Schon beeindruckend, wie zwei leidenschaftliche Präzisionsschauspieler auf freier Bühne eine große Nummer bauen: Wie Samuel Finzi den Köder seiner vollgepissten Bierflasche mit pubertärer Erwartungsfreude auslegt, und Wolfram Koch gekonnt ziellos draufzustolpert, wie er das Gesöff lustvoll in sich hineinlaufen lässt und sich der Ekel zeitversetzt wie kleine Mauerrisse über seinem Gesicht ausbreitet, schließlich an der leise kräuselnden Unterlippe hängen bleibt, hilflos sabbernd nachtropft, wie er dann den sich anbahnenden inneren Krampf durch den Körper fahren lässt und kurz vorm B
rechanfall wieder Haltung fasst, die Flasche abstellt, sich aufrichtet und die Demütigung runterschluckt, um sich nicht noch eine größere Blöße zu geben. Und wie Finzi all das innerlich vor Freude platzend, atemlos unbeteiligt beobachtet, um dann ein harmloses Gespräch anzufangen, dessen Inhalt das gerade Geschehene bei weitem übertrifft.
Denn Andjel, der getäuschte Biertrinker, ist ein todkranker Krüppel, seit ihn ein Unbekannter mit Brechstange und Hammer niedergeschlagen und ihm 27 Knochen gebrochen sowie einige innere Organen zermantscht hat. Und Dimitrije, der Pissflaschen-Spaßvogel, ist zwar der ...
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Aber natürlich sollen die Theater, also wir, jetzt etwas zur Bankenkrise machen! Endlich mal ein Thema, bei dem man weiß, dass es die Zuschauer auch dann noch beschäftigt, wenn der Apparat endlich angeworfen ist und in ein paar Monaten die ersten Ergebnisse ausspuckt. Zumal ja gerne gesagt wird, man wisse nicht genau, bei wem die Krise wann und wie heftig ankommen...
Eine Stellenanzeige in der «Zeit» war der erste Schritt in die Öffentlichkeit: Köln soll eine neue unabhängige monatliche Zeitung für Darstellende Künste erhalten, dafür wurde, überregional wohlgemerkt, ein hochmotivierter Chefredakteur gesucht.
Kulturpolitisch bemerkenswert: Die Initiatoren der neuen Theaterzeitung sind die Kölner Theater selbst, durch ihre...
Wenn die grell leuchtenden Kreuze gleich am Anfang in den Schnürboden hinaufgezogen werden, heißt das nicht, dass fortan das rationale Denken auf der Bühne walten wird. Im Gegenteil. Die Zeichen der Kirche sind zwar verschwunden, aber in den Köpfen der Menschen bleiben (Aber-)Glaube und Bigotterie eingebrannt.
Andrea Maria Schenkels Erfolgsroman «Tannöd» ist sicher...
