Hellwach oder Die Frage, was ein Wir macht
Die Ampel an der Kreuzung steht auf Rot. Ich texte in mein Smartphone: Und was, wenn die Geschichte mit einem Trigger beginnt?
Nein. Das geht auf gar keinen Fall. Meine Lektorin setzt zwei Ausrufezeichen dahinter, und ergänzt: Das triggert die Leute, die lesen dann nicht weiter.
Ich stehe am Abzweig zwischen Abwehr und Angriff. Am rechten Straßenrand stehen beleidigte Bürger:innen und halten Schilder hoch: «Das wird man ja wohl noch sagen dürfen». Die Angst um den Verlust der Meinungsfreiheit sitzt angriffslustig in ihren Gesichtern. Im Radio läuft Rihanna.
Lautes Hupen setzt sich auf den pulsierenden Beat. Weiterfahren, höre ich jemanden durch meine geschlossenen Fenster brüllen. Vor mir kleben Menschen auf der Straße. I just pull the trigger, haucht Rihanna. Ich stelle den Motor ab, steige aus und überquere die Intersektion. Geradeaus weiter.
Mad as hell?
«We know things are bad – worse than bad.» Ich denke an eine Szene aus dem Film «Network». Peter Fincher als Nachrichtensprecher Howard Beale richtet während einer Livesendung einen direkten emotionalen Appell an die fernsehenden Menschen. Er adressiert sie als ein gemeinsames Wir. Und für dieses Wir gäbe es viele Gründe, ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Streitstoffe, Seite 56
von Hayat Erdogan
Die Berliner Festspiele luden vom 13. bis 16. Juni zu den Thementagen «Reflexe & Reflexionen. Der 7. Oktober, der Gaza-Krieg und die Debatte in Deutschland» ein. Wie vergiftet die Debatte ist, zeigte sich am langen Katalog der «Richtlinien für freie Meinungsäußerung und respektvollen Austausch», den die Festspiele sich schon vorab zu veröffentlichen bemüßigt...
Um sich eine Menge Ärgernisse zu ersparen, nutze ich diese Textfläche im schönen Theaterheute-Jahrbuch, um meine Erfahrungen zum Thema schwanger sein als Schauspielerin zu teilen. Denn: Sichtbarkeit ist eine Währung, die höher ist als die nächste NV-Bühne-Gagen-Erhöhung.
«Oh du bist schwanger, das ist aber toll. Herzlichen Glückwunsch! Ohhh, du spielst aber gerade...
Wenn Wände sprechen könnten, dann würden sie in einem Altbau Geschichten von zahlreichen Menschen erzählen, die aus den verschiedensten Gründen kamen und gingen und sich in ihren Wohnungen in unterschiedlichen Sprachen unterhielten. Ein Umstand sorgt für besonderen Gesprächsbedarf in dem Altbau, den Raphaela Bardutzky zum Schauplatz ihrer «Schaueroper» gemacht hat:...
