So seltsam Mittelstand
Die Frage ist ja nicht, ob du jemals von ihr loskommst, sondern eher, ob du vielleicht doch irgendwann in ihr ankommen möchtest. Wirklich entkommen kann man dem biologisch-sozialen Miteinander namens Familie nämlich nicht. Das gilt vor allem, wenn man wie Christine dreifache Mutter und Gattin eines Mannes ist, der gerade mit zwei anderen Frauen einen flotten Dreier in einem Kingsizebett erleben möchte, das für den nicht mehr ganz jungen Bernard dann doch eine Nummern zu groß ist.
Der Familienvater begreift einfach nicht, dass er nicht mehr im Alter der Kinder ist, die er zusammen mit Christine großgezogen hat.
Die sind um die dreißig. Jess, die Älteste, hat gerade wieder einen Mann kennengelernt und droht es zu vermasseln, weil sie ihn so intensiv ausfragt, dass der Gute sich permanent rechtfertigen muss. Zum Glück hat der Neue sich anscheinend tatsächlich in diese Frau verliebt, die ihr Gefühlsleben bislang vorzugsweise mit One Night Stands organisiert hat. Das mit der Liebe hat die Sandwichtochter Ashe anscheinend bereits hinter sich, sie kümmert sich «nur» noch hingebungsvoll um ihre kleine Tochter und entfernt gleichzeitig den Kindsvater, der erfolgreich einen Drogenentzug ...
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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Das Stück, Seite 50
von Jürgen Berger
Manchmal träumt Nina nachts von endlosen Menschenschlangen, in denen eine Frau nackt hinter der anderen steht. «Das Einzige, was ich weiß, ist, dass es Mütter und Töchter sind. (…) Das verstehe ich an der Art, wie sie aneinander vorbeischauen. Aber sie suchen sich.» Vielleicht deshalb erzählt Ninas Mutter Tatjana auch nicht ihrer eigenen, sondern der Tochter ihrer...
Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf. Auch wenn es sich bei beiden Menschen um Frauen handelt. So erzählt es Anna Bergmann, Schauspieldirektorin am Staatstheater Karlsruhe, in ihrer Bühnenfassung von Christa Wolfs Roman «Medea. Stimmen». Wo im Roman die mythologische Figur Medea noch von den Intrigen eines männlichen Kontrahenten, nämlich dem Astronomen Akamas,...
Lakonisch plakatieren die Bühnenarbeiter zu Beginn der Inszenierung einzelne Papierbahnen zum Prospekt. Die Fotografie fixiert einen nackten Mann im Moment des Sprungs, allein auf einer sonnigen Dachterrasse. Seine Arme umfassen die angewinkelten Beine, das lange pechschwarze Haar verhüllt sein Gesicht und steht steil in der Luft, aller Schwerkraft zum Trotz. Die...
