Eine Stimme für die Mütter

In ihrem zweiten Roman «Im Menschen muss alles herrlich sein» erzählt Sasha Marianna Salzmann von Müttern und Töchtern

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Manchmal träumt Nina nachts von endlosen Menschenschlangen, in denen eine Frau nackt hinter der anderen steht. «Das Einzige, was ich weiß, ist, dass es Mütter und Töchter sind. (…) Das verstehe ich an der Art, wie sie aneinander vorbeischauen. Aber sie suchen sich.» Vielleicht deshalb erzählt Ninas Mutter Tatjana auch nicht ihrer eigenen, sondern der Tochter ihrer guten Freundin Lena, unter welch schwierigen Umständen sie in Mariupol schwanger und in Berlin-Spandau Mutter wurde.

Und was weiß Lena wiederum von ihrer Tochter Edi, die aus der russisch-jüdischen Gemeinschaft in Jena nach Berlin geflohen ist, wo sie Journalistin werden will und sich in Frauen verliebt? 

Sasha Marianna Salzmanns neuer Roman «Im Menschen muss alles herrlich sein» könnte auch «Mütter und Töchter» heißen, und tatsächlich steckt eine sehr zeitgenössische Antwort auf Iwan Turgenjew darin. Während in «Väter und Söhne», einem der großen russischen Romane des 19. Jahrhunderts, der Konflikt zwischen liberalen Slawophilen und westorientierten «Nihilisten» im Zentrum steht, zwischen «überflüssigen Menschen» und arbeitswütigen Pragmatikern, erzählt Salzmann von Müttern, die in der Sowjetunion sozialisiert und vom ...

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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Bücher, Seite 68
von Eva Behrendt

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