Eine Stimme für die Mütter
Manchmal träumt Nina nachts von endlosen Menschenschlangen, in denen eine Frau nackt hinter der anderen steht. «Das Einzige, was ich weiß, ist, dass es Mütter und Töchter sind. (…) Das verstehe ich an der Art, wie sie aneinander vorbeischauen. Aber sie suchen sich.» Vielleicht deshalb erzählt Ninas Mutter Tatjana auch nicht ihrer eigenen, sondern der Tochter ihrer guten Freundin Lena, unter welch schwierigen Umständen sie in Mariupol schwanger und in Berlin-Spandau Mutter wurde.
Und was weiß Lena wiederum von ihrer Tochter Edi, die aus der russisch-jüdischen Gemeinschaft in Jena nach Berlin geflohen ist, wo sie Journalistin werden will und sich in Frauen verliebt?
Sasha Marianna Salzmanns neuer Roman «Im Menschen muss alles herrlich sein» könnte auch «Mütter und Töchter» heißen, und tatsächlich steckt eine sehr zeitgenössische Antwort auf Iwan Turgenjew darin. Während in «Väter und Söhne», einem der großen russischen Romane des 19. Jahrhunderts, der Konflikt zwischen liberalen Slawophilen und westorientierten «Nihilisten» im Zentrum steht, zwischen «überflüssigen Menschen» und arbeitswütigen Pragmatikern, erzählt Salzmann von Müttern, die in der Sowjetunion sozialisiert und vom ...
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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Bücher, Seite 68
von Eva Behrendt
Dieser Typ – breite Schultern, ordentlich Bauchansatz und mehr Tattoos als Haut auf den nackten Armen – macht einfach weiter: Stoisch baut er aus ein paar Holzplatten ein Podest, schraubt Wände daran, befestigt Scharniere. Zufrieden steckt er kurz die Hände in die Hosentaschen, geht etwas zur Seite, raucht eine Selbstgedrehte. Dann baut er wieder. Ruhig und...
Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf. Auch wenn es sich bei beiden Menschen um Frauen handelt. So erzählt es Anna Bergmann, Schauspieldirektorin am Staatstheater Karlsruhe, in ihrer Bühnenfassung von Christa Wolfs Roman «Medea. Stimmen». Wo im Roman die mythologische Figur Medea noch von den Intrigen eines männlichen Kontrahenten, nämlich dem Astronomen Akamas,...
Mit dem berüchtigten ersten Satz, dem voller Skrupel und Selbstzweifel hingeworfenen Einstieg in eine Kritik, hatte Günther Rühle noch nie ein Problem. So auch hier: «Auf einmal machte es RUMS.» Da ist man doch gleich mittendrin und außerdem noch neugierig. Was da gerumst hat, war aber nicht nur die Karosse seines Autos, sondern deutlich mehr. Denn Rühle musste im...
