Die Frau ist der Frau eine Wölfin
Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf. Auch wenn es sich bei beiden Menschen um Frauen handelt. So erzählt es Anna Bergmann, Schauspieldirektorin am Staatstheater Karlsruhe, in ihrer Bühnenfassung von Christa Wolfs Roman «Medea. Stimmen». Wo im Roman die mythologische Figur Medea noch von den Intrigen eines männlichen Kontrahenten, nämlich dem Astronomen Akamas, verbannt und als Kindesmörderin verleumdet wird, ist ihr Feind auf der Karlsruher Bühne eine Frau: die Astronomin Akama.
Das gehört wohl zum Grundkonzept in Karlsruhe, wo 2018/19 in Bergmanns erster Saison als Schauspieldirektorin nur weibliche Regiekräfte engagiert wurden, das Ensemble mittlerweile paritätisch besetzt ist und wo auch bei Auftragsarbeiten auf große Rollen für Spielerinnen geachtet wird (siehe «Frauensache» von Lutz Hübner/Sarah Nehmitz, TH 2/20). In diesem Fall freilich folgt aus der Umbesetzung auch eine Umdeutung der Geschichte: Während Wolfs Roman von der Verdrängung des Matriarchats durch das Patriarchat erzählt (und davon, wie die Gewalt dieses Machtwechsels durch Mythologisierung verbrämt wird), erzählt das Bühnenstück vom Kampf aller gegen alle in den Mechanismen der Macht.
Das ist zugleich Verlust ...
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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Andreas Jüttner
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Die Frage ist ja nicht, ob du jemals von ihr loskommst, sondern eher, ob du vielleicht doch irgendwann in ihr ankommen möchtest. Wirklich entkommen kann man dem biologisch-sozialen Miteinander namens Familie nämlich nicht. Das gilt vor allem, wenn man wie Christine dreifache Mutter und Gattin eines Mannes ist, der gerade mit zwei anderen Frauen einen flotten Dreier...
