Singen oder hassen
Es war der Herbst der Attentäter. Ihre Schockwellen drangen in die idyllischsten Weltwinkel. Erst der Flugzeugterror vom 11. September. Wenige Tage darauf stürmt ein Amokschütze ins Parlament im innerschweizerischen Kanton Zug, er trifft 14 Lokal-Politikerinnen und -Politiker tödlich. Dies an einem Ort, an dem sogar die Steuerpolizei keinen anderen Gemütszustand kennt als den der Sanftmut.
Kurz darauf, im Oktober 2001, richtet ein junger Mann in einem Wohnviertel in Luzern ein Blutbad an. Seine Ex-Freundin überlebt, ihre Mitbewohnerin erschießt er blindlings.
Und in einem Hotel im stillen Appenzellerland erfährt eine Mutter auf einer Probenwoche ihres Chors vom Tod ihrer Tochter.
Rund 20 Jahre später hat der Luzerner Autor und Dramaturg Dominik Busch die Ereignisse aufgearbeitet. Busch war damals Kontrabassist im Chor, hat den Kollektivschock miterlebt – und auch, das weiß das Programmheft des Luzerner Theaters, wie dieser Schock «eine Gruppe zersprengt und lähmen kann».
Buschs Stück heißt «Der Chor». Es recherchiert nicht im Polizeiarchiv. Sondern im Gedächtnis der Beteiligten. Im Fokus der Geschichte steht der gewaltsame Riss mitten durch eine friedliche Gemeinschaft und wie ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Stephan Reuter
Und wieder schreiben wir Geschichte. Genau wie vor 18 Jahren und vor neun Jahren. Man kann einen gewissen Zyklus beobachten: 2004 – 2013 – 2022. Zweimal Majdan und nun auch der Krieg. Und jedes Mal durchkreuzte das ukrainische Volk die russischen Absichten. Dies ist auch der gemeinsame Nenner der drei Daten. Widerstand der Bevölkerung auch in Zeiten des Kriegs. Nun...
Vor einem Jahr ging die Beziehung mit dem Menschen, den ich liebe und den ich noch immer über alles liebe, in die Brüche. Das ganze letzte Jahr war ich nur damit beschäftigt gewesen, zu leiden und meinen Gesundheitszustand zu bedauern. Das war eine schleichende und langwierige Depression. Im Dezember jenes Jahres begriff ich, dass ich psychotherapeutische Hilfe...
Die Nachricht vom Tod ihres Mannes trifft Louise Mallard unvermittelt. Trauernd zieht sie sich in ihr Schlafzimmer zurück, allein. Doch nachdem der erste Schmerz abklingt, das überwältigende Gefühl von Verlust und Orientierungslosigkeit, stellt sie fest, dass sich etwas anderes, bislang Unbekanntes Bahn bricht: das Gefühl von Freiheit. «Die Geschichte einer...
