Showmasters of the Universe
Und einmal ist doch Schluss mit lustig. Schluss mit Blindsein. Schluss mit so tun als ob. Clov reicht es. Der Diener, der eine altgediente Ehefrau ist, verliert die Nerven und die Spielcontenance und schlägt zu: Die spiegelnde Sonnenbrille fliegt Hamm vom Gesicht, und dahinter ist der Blick: der Matthes-Blick, nackt, stier, angstge-peinigt. Und der Schrei: «Lass uns aufhören zu spielen!»
Das aber geht gar nicht. Da wäre nicht nur Schluss mit lustig, es wäre das Ende des Abends, der noch ein Weilchen weitergehen muss, um Becketts «Endspiel» an sein Ende zu bringen.
Das natürlich kein Ende sein kann, sondern die endlosen drei Pünktchen einer sinnlos verspielten Ewigkeit. Also setzt Clov Hamm die Brille wieder auf die Nase, und sie machen weiter, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Jan Bosse hat auf der großen Bühne des Deutschen Theaters Becketts Spielvorlage erst einmal gründlich entrümpelt: Die Mülleimer Nells und Naggs, Beckett-Ikonen wie der Godot-Baum, sind samt ihrer Bewohner weggeräumt, kein Fenster deutet ein Außen an. Clov und Hamm sind ganz allein und gefangen in einem Unraum (Stephane Laimé): eine hölzerne Schräge, die im schwarzen Nichts schwebt und von der kein Entkommen ist. Der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Franz WilleHerr Baumbauer, wieso wollen Sie die Münchner Kammerspiele nur noch bis 2009 leiten, das ist doch das schönste Theater, das es gibt?
Frank BaumbauerErstens habe ich große Lust, das Theater noch die nächsten zwei Jahre zu leiten. Zweitens versuche ich, mir immer selbst die Grenzen zu setzen – wie schon in Basel und Hamburg – aus dem Wissen um die für...
Einmal macht sie einen Vorhang aus Rauch. Und sie macht das so schön, so langsam und so sinnlich, dass man stracks in den nächsten Tabakladen eilen und alle Regeln und Vorsätze …
Macht man natürlich nicht. Bleibt natürlich sitzen, denn auf der Bühne steht Polina Agurejewa. Ganz allein. Die russische Schauspielerin spielt «Juli», das neue Stück von Iwan Wyrypajew....
Neulich geriet Armin Petras, den man nicht unbedingt als wortkargen Menschen kennt, auf einem Podium ins Stocken: Der Moderator hatte lässig nachgefragt, wie viele Inszenierungen er in der vergangenen Saison eigentlich herausgebracht habe. Petras dachte lange nach. Dann spekulierte er: «Sechs? Sieben?»
Dürfte in etwa hinkommen: Mehr als siebzig...
