Der kalte Blick ins Herz der Stadt
Einmal macht sie einen Vorhang aus Rauch. Und sie macht das so schön, so langsam und so sinnlich, dass man stracks in den nächsten Tabakladen eilen und alle Regeln und Vorsätze …
Macht man natürlich nicht. Bleibt natürlich sitzen, denn auf der Bühne steht Polina Agurejewa. Ganz allein. Die russische Schauspielerin spielt «Juli», das neue Stück von Iwan Wyrypajew. Es ist der Monolog eines alten Mannes, der ein paar Menschen zerstückelt hat, in eine Anstalt kommt, sich in eine Pflegerin verguckt (und sie dann verschluckt) und über Gott und die Welt redet.
Mehr über die Welt als über Gott.
Das russische Wortgewitter erweist sich als Weltverachtungsgerede von beachtlicher Wucht. Polina Agurejewa brettert die russischen Worte zu einer rauen Fläche zusammen, zwischendurch aber wird sie ganz weich in ihrem Krachstakkato und ändert die Tonhöhe ein wenig und scheint die Worte fast zu singen. Verrückt. Man staunt. Diese Sprach- und Sprechlust, diese Worterotik. Wo kommt das her? Erst mal mitten aus Russland.
Der, der das nach Deutschland geholt hat, hat gerade keine Zeit. Stefan Schmidtke, der Leiter des Festivals «Theaterformen», sitzt im Off und übersetzt den russischen Wortschwall ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Alles Lebensglück der Buddenbrooks wurzelt in ihren Bilanzen; und die sehen schlecht aus. Von einstmals 900.000 Vermögen sind der Lübecker Kaufmannsfamilie in der dritten Generation noch 750.000 geblieben. Es hätte längst «eine Million» sein sollen, erinnert Stammhalter Thomas Buddenbrook an das merkantile Wachstumsversprechen der Seinen, während er selbst zum...
Seit 1995 arbeitet das kanadische Künstlerpaar Janet Cardiff und George Bures Miller im Grenzbereich zwischen Bildender Kunst, Hörstück, Film und Theater. In ihren begehbaren Installationen und Erfahrungsräumen wird der Betrachter zum Akteur. Nach verschiedenen internationalen Auftritten richten nun das Museu d’Art Contemporani de Barcelona und das Institut...
Und einmal ist doch Schluss mit lustig. Schluss mit Blindsein. Schluss mit so tun als ob. Clov reicht es. Der Diener, der eine altgediente Ehefrau ist, verliert die Nerven und die Spielcontenance und schlägt zu: Die spiegelnde Sonnenbrille fliegt Hamm vom Gesicht, und dahinter ist der Blick: der Matthes-Blick, nackt, stier, angstge-peinigt. Und der Schrei: «Lass...
