Der kalte Blick ins Herz der Stadt
Einmal macht sie einen Vorhang aus Rauch. Und sie macht das so schön, so langsam und so sinnlich, dass man stracks in den nächsten Tabakladen eilen und alle Regeln und Vorsätze …
Macht man natürlich nicht. Bleibt natürlich sitzen, denn auf der Bühne steht Polina Agurejewa. Ganz allein. Die russische Schauspielerin spielt «Juli», das neue Stück von Iwan Wyrypajew. Es ist der Monolog eines alten Mannes, der ein paar Menschen zerstückelt hat, in eine Anstalt kommt, sich in eine Pflegerin verguckt (und sie dann verschluckt) und über Gott und die Welt redet.
Mehr über die Welt als über Gott.
Das russische Wortgewitter erweist sich als Weltverachtungsgerede von beachtlicher Wucht. Polina Agurejewa brettert die russischen Worte zu einer rauen Fläche zusammen, zwischendurch aber wird sie ganz weich in ihrem Krachstakkato und ändert die Tonhöhe ein wenig und scheint die Worte fast zu singen. Verrückt. Man staunt. Diese Sprach- und Sprechlust, diese Worterotik. Wo kommt das her? Erst mal mitten aus Russland.
Der, der das nach Deutschland geholt hat, hat gerade keine Zeit. Stefan Schmidtke, der Leiter des Festivals «Theaterformen», sitzt im Off und übersetzt den russischen Wortschwall ...
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Dies ist das Protokoll eines übergroßen Unverständnisses, ja eines Nicht- oder vielleicht gar Missverständnisses. Eines lupenreinen Nicht-Verstehen-Könnens, was an einer bestimmten Produktion namens «Alkestis», verfasst von Euripides, inszeniert von Emma Dante, gut sein soll. Wo, außer im rein Dekorativ-Possierlich-Possenreißerischen, sich denn da ein Sinn...
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