Die Selbstverausgabungsoffensive
Neulich geriet Armin Petras, den man nicht unbedingt als wortkargen Menschen kennt, auf einem Podium ins Stocken: Der Moderator hatte lässig nachgefragt, wie viele Inszenierungen er in der vergangenen Saison eigentlich herausgebracht habe. Petras dachte lange nach. Dann spekulierte er: «Sechs? Sieben?»
Dürfte in etwa hinkommen: Mehr als siebzig Petras-Inszenierungen haben zuverlässige Chronisten jedenfalls seit Anfang der neunziger Jahre gezählt.
Der Regisseur probt bis zu drei Stücke am Tag, manchmal in verschiedenen Städten – und aus gut informierten Kreisen verlautet, dass er dabei nicht zur Morgenprobe erscheine, ohne vorher wenigstens einen Halbmarathon absolviert und vier, fünf Szenen eines neuen Stückes in den Laptop gehauen zu haben. Egal, ob das bereits in den Bereich der Mythenbildung fällt und ob der Informant Petras unter Umständen mit dessen dramatischem Alter Ego Fritz Kater verwechselte: Fakt ist, dass mit dem 43-jährigen Basecap-Träger letzten Herbst der konkurrenzlose Hochgeschwindigkeitsregisseur des Landes Intendant am Berliner Maxim Gorki Theater wurde. Und dass es ihm gelungen ist, diesen Ruf in seinem neuen Job tadellos zu verteidigen.
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