Shakespeare-Glamour
Am Tag vor der Premiere war bekannt geworden, dass Apple einer Forderung von Taylor Swift nachgegeben hatte. Es dauerte nur einige Stunden, bis die Pop-Diva den kalifornischen I-Giganten in die Knie gezwungen hatte. Eine solche Genugtuung erleben Staatsmänner, die die Apfelfirma zu regulieren suchen, auch nach Jahren der Mühe nicht. Die Verführungskraft und Übermacht des Glamour ist also zweifelsohne ein Thema, die Macht der Diven wahrscheinlich immer noch unterschätzt, trotz Kleopatra, trotz Liz Taylor und trotz William Shakespeare.
«How to become a diva?» Der Satz ist ein Leitmotiv in Claudia Bauers «Antonius und Cleopatra» am Staatstheater Mainz. Interessante Frage, auf die Bauer allerdings keine zwingende Antwort gibt. Sechs Schauspieler (drei w, drei m) kommen alltäglich herein, lesen im Textbuch starke Shakespearesätze, die an eine sagenhafte, weltentrückte Schönheit erinnern, und beginnen sich zu verwandeln. Das fängt damit an, dass Antonia Labs ihre schönen Beine lang macht. Leider tun es ihr die anderen nach, man reckt und streckt und ist, bevor etwas begonnen hat, in der Selbstparodie.
Claudia Bauer findet keine Mittel, die Diva und ihren Glamour aufzubauen. Dem Strecken ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Peter Michalzik
Auf die Idee muss man erst mal kommen: Bei 37 Grad Sommerhitze in Norwegerpulli und Fellmütze herumzurennen. Aber gut, wir sind in der Antarktis. Der junge Schauspieler und Regisseur Samuel Achache schickt ein sechsköpfiges Forschertrüppchen ins Polareis und hat ihnen dafür ein hübsch knirschendes Styropor-Schneefeld unter den Platanen des Cloître des Célestins...
Einer springt. Karim, der Palästinenser aus der ummauerten Stadt Qalqilya, aus der es keinen Weg gab ins nahegelegene Tel Aviv, ans Meer. In dieser Festung lernte er Parkour, eine Sportart, in der man sich in den Weg stellende Hindernisse durch Kombination verschiedener Bewegungen so effizient wie möglich zu überwinden versucht: ein Sport, eine akrobatische...
Aufs Liebevollste wurde das Gutshaus von den Werkstätten mit Patina versehen. Das pittoresk heruntergekommene Landhaus von Zsolt Khell mit fleckigen Gardinen, altem Kinderspielzeug und 60er-Jahre-Sesseln ist nur noch ein Symbol vergangener Erinnerungen, zu groß, sperrig und uneffizient für die Gegenwart – und so staubig, dass fast der Niesreiz in die Nase steigt.
K...
