Pasolini als Heilsgeschehen
Spätestens, wenn man die Liegestühle sieht, beginnt man zu ahnen, was Eyüp Yildiz meint. Eyüp Yildiz – das ist der stellvertretende Bürgermeister von Dinslaken, und als solcher hat er bereits vor dem Beginn der ersten von Johan Simons verantworteten Ruhrtriennale eine kleine Debatte ausgelöst.
Yildiz warf Simons vor, die Zeche Lohberg in Dinslaken, die sich der Festivalleiter für seine Auftakt-Inszenierung «Accattone» ausgesucht hatte, bloß als «pittoreske Schachtkulisse» zu missbrauchen, «in der sich die Gesellschaft des Kulturspektakels für einen Sommer lang feiert, um dann weiterzuziehen». Die Lohberger aber hätten Simons nicht zu Gesicht bekommen, die Geste des Dialogs und der Öffnung durch Kultur sei aufgesetzt.
Und nun schaut man also auf diese Liegestühle, die vor der zum gewaltigen Gastro-Foyer umfunktionierten Zentralwerkstatt der Zeche aufgestellt sind. Festivalbesucher in Ausgehgarderobe räkeln sich darin in der Spätnachmittagssonne, das Glas Wein oder die Bierflasche neben sich. Alles nicht verwerflich, nein, alles ganz normal, und man setzt sich sogar gerne dazu. Aber tatsächlich illustriert sich die «Gesellschaft des Kulturspektakels» so gewissermaßen selbst. Von der ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Aufführungen/Festivals, Seite 26
von Wolfgang Behrens
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