Sex und Kontrolle
Was reizt so durchgängig an Ibsens «Nora», diesem ein wenig muffig-kleinstädtischem Emanzipationsdrama einer von ihrem Mann abhängigen Frau aus dem 19. Jahrhundert? In
Kay Voges’ radikal aktualisierter Dortmunder «Nora»-Inszenierung sind bürgerliche Liebeskonzepte unbrauchbar geworden. Es gilt das Gesetz des Warentauschs: Die Frau gibt dem Mann Gefühle und Sex, er gibt ihr dafür Geld und Prestige. Neurosen, Selbsttäuschung, Hysterie und Narzissmus bestimmen den lieblosen Ehealltag des neureichen Paares, die ihr einziges Kind an das Au-pair-Mädchen abschieben.
Durch eine kühle Bungalow-Glasfront blickt man in ein spießiges Wohnzimmer mit Kamin, brauner Sitzecke und kerkerhaft grauen Klinkersteinwänden, davor befindet sich ein schmaler Swimming-Pool, in dem jeder im Laufe des Abends mal nackt, mal angezogen landet (Bühne und Kostüme Pia Maria Mackert). Bei zugezogenen Gardinen zeigen Videoprojektionen in Castorfmanier, was im Inneren des Bungalows gerade passiert. Das hätte als ästhetisch-mediale Zutat allemal gereicht, doch auch Tanznummern, Stroboskoplicht, Slapstick- und Songeinlagen übermalen permanent und überdeutlich die Begegnungen und Stimmungen.
Caroline Hankes (Eleo)Nora ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 50
von Natalie Bloch
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