Sex und Kontrolle

Dortmund: Ibsen «Nora oder Ein Puppenheim»

Theater heute - Logo

Was reizt so durchgängig an Ibsens «Nora», diesem ein wenig muffig-kleinstädtischem Emanzipationsdrama einer von ihrem Mann abhängigen Frau aus dem 19. Jahrhundert? In
Kay Voges’ radikal aktualisierter Dortmunder «Nora»-Inszenierung sind bürgerliche Liebeskonzepte unbrauchbar geworden. Es gilt das Gesetz des Warentauschs: Die Frau gibt dem Mann Gefühle und Sex, er gibt ihr dafür Geld und Prestige. Neurosen, Selbsttäuschung, Hysterie und Narzissmus bestimmen den lieblosen Ehealltag des neureichen Paares, die ihr einziges Kind an das Au-pair-Mädchen abschieben.

Durch eine kühle Bungalow-Glasfront blickt man in ein spießiges Wohnzimmer mit Kamin, brauner Sitzecke und kerkerhaft grauen Klinkersteinwänden, davor befindet sich ein schmaler Swimming-Pool, in dem jeder im Laufe des Abends mal nackt, mal angezogen landet (Bühne und Kostüme Pia Maria Mackert). Bei zuge­zogenen Gardinen zeigen Videoprojektionen in Castorfmanier, was im Inneren des Bungalows gerade passiert. Das hätte als ästhetisch-mediale Zutat allemal gereicht, doch auch Tanznummern, Stroboskoplicht, Slapstick- und Song­einlagen übermalen permanent und überdeutlich die Begegnungen und Stimmungen.

Caroline Hankes (Eleo)Nora ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 50
von Natalie Bloch

Weitere Beiträge
Alles in drei Prozent?

Man betritt den Theatersaal und ist verstimmt: Da hängt ein riesiger Spiegel und soll uns allen Ernstes «den Spiegel vorhalten»? Geht’s noch? Dieser Eindruck relativiert sich, wenn der riesige, das Publikum spiegelnde Spiegel plötzlich geneigt wird: Der obere Teil droht auf das Publikum zu fallen, wodurch unten auf der Bühne freier, aber enger Raum entsteht, indem...

«Nicht einmal ein Wort rührt uns an»

Am 11. März 2011 erschüttert ein Erdbeben der nie verzeichneten Stärke 9,0 den Nordosten Japans. Kurz darauf trifft eine ungeheure Tsunami-Welle auf die Küste.
Am Tag des Bebens wird von 133 Toten berichtet, am Folge­tag von 686, nur wenige Wochen später haben sich die Schätzungen auf 28.000 Tote und viele Vermisste erhöht. Mittlerweile spricht man von 120.000...

Comeback eines Urgesteins

Es ist ein strahlender Herbsttag in Wien – aber so sonnig ist es nun auch wieder nicht, dass man die Brille das ganze Gespräch über aufbehalten müsste. Zumal das Treffen im abgedunkelten Erzherzog­zimmer im Burgtheater stattfindet. Und der Porträtierte nicht der New Yorker Musiker Lou Reed ist, sondern der Wiener Schauspieler Johannes Krisch.
Aber Krisch ist nun...