Sensibilität und Superkräfte

Abdul Aziz Al Khayat hat mit 27 schon gefühlt drei Leben gelebt. Nach einer Kindheit in Damaskus, Adoleszenz in Kairo und Schauspielstudium in Frankfurt ist er jetzt am Staatstheater Wiesbaden angekommen

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Dieser Woyzeck hat nichts zu tun mit den gepeinigten Psychopathen und abgerissenen Opfern, als die Georg Büchners prominenteste Theaterfigur oft gezeigt wird. Oh nein. Der Woyzeck von Abdul Aziz Al Khayat hat Style. Wendig wie eine Schlange, gekleidet wie frisch vom Pariser Catwalk, der auch tatsächlich mitten ins Publikum führt, ein glamouröser Outsider voller Wut und Ambitionen.

Denn Erbsen muss er in Stefan Puchers Inszenierung am Wiesbadener Staatstheater trotzdem fressen, auch der herumkommandierende Hauptmann bleibt ihm nicht erspart, und Marie, mit der er ein Kind hat, lässt sich von ihm buchstäblich nichts bieten. Vielleicht entspricht Woyzecks Attitude noch eher seiner Fantasie als der Realität?

In der Titelrolle des Unterrichtsklassikers, den Stefan Pucher zu Beginn der Intendanz von Dorothea Hartmann und Beate Heine neu erzählt hat, fällt der junge Protagonist mit einer ungewöhnlich musikalischen Energie und messerscharfer Artikulation auf. Zum Showdown liefert er sich mit seiner nicht minder temperamentvollen Kollegin Tabea Buser einen von beiden selbstgetexteten Battle-Rap, in dem sie ihm Sexismus, er ihr Rassismus vorwirft: «Ich werd erst dich und dann mich ...

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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Porträt, Seite 48
von Eva Behrendt

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