Sensibel explizit
Mit der Liebe war es ja noch nie leicht. Und wohl genau deswegen sind über alle Jahrhunderte hinweg zahllose sprachlich komplexe, teils hoch verdichtete Werke entstanden, die das Literaturthema Nummer eins in Worte fassen und um eine Sprache ringen für komplizierte Gefühls -lagen. Vieles, was über die Liebe und deren handfestere Schwester, die Sexualität, gesagt und geschrieben wurde, hat überzeitlich Bestand.
Eifersucht, Wollust, Begehren und noch viel mehr bleiben komplizierte und sprachlich interessant zu verarbeitende Phänomene, denen sich jede Generation aufs Neue stellen muss. Ganz in diesem Sinne setzt die junge deutsch-amerikanische Autorin mit koreanischen Wurzeln, Patty Kim Hamilton, einen zeitgenössischen Akzent mit ihrem «Sex Play». Aber wer jetzt angesichts des Stücktitels pornografische Ergüsse vermutet, liegt falsch. Es wird explizit, aber genauso wird es ausgesprochen differenziert.
«Über Sex zu reden ist nicht mehr revolutionär. Oder?», fragt jemand im Stück. Eben doch! Und das «Sex Play» tritt den Beweis dafür an. Aber vor oder nach dem Reden kommt das Tun, denn Sex ist Kommunikation ohne Worte und muss wie jede Sprache erlernt werden, indem man sie praktisch ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 150
von Karla Mäder
Die Nachricht, dass ich für «Theater heute» etwas schreiben soll, kommt mir sehr willkommen nach drei Tagen Kostümabgabe-Kampf mit den Italienern, die mich halb verstehen oder so tun, als ob sie mich nicht verstehen würden. Ich habe eine junge Assistentin dabei. Sie möchte Kostümdesign studieren. Ich frage sie, warum? Seit Kurzem habe ich meine übertriebene Sucht...
Mein 20-jähriges Ich schreibt in einer Bewerbung an die Studienstiftung des deutschen Volkes: «Ich hoffe, dass Theater politisch und gesellschaftlich wirken kann, weiß es aber nicht. Es geht nicht um eine perfekte Einzelleistung, sondern um das große Ganze, um das gemeinsame Ringen um Wahrheit. Dieses unendliche Bedürfnis, gemeinsam Grenzen zu verschieben.»
Desweg...
Beeinflusst durch die gegenwärtig in der Gesellschaft und also auch an den Theatern verhandelten Themen wie Teilhabe, Geschlechtergerechtigkeit, Rassismus, Identität und Repräsentation haben wir unser Performance-Kollektiv aufgelöst. Geplant war ein Jubiläum. Es wurde ein Abschied. Die Bairishe Geisha wurde letztes Jahr 21. Sie war gleichzeitig Corporate Identity...
