Milch und Blut und Samen

Martina Clavadetscher «Bestien, wir Bestien»

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Endlich ist sie vorbei, die Zeit, in der Frauen «schön schöpfend und in der Erschöpfung schön» sein müssen. Martina Clavadetscher, die für ihren Roman «Die Erfindung des Ungehorsams» mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, entwirft in ihrem zweiteiligen Auftragswerk für das Schauspiel Bern «Bestien, wir Bestien» eine Welt in der Zukunft, in der Frauen zuerst vom gesellschaftlichen Reproduktionszwang befreit sind und letztlich die gesamte Menschheit unfruchtbar wird.

Auch hier findet man sich, wie in den meisten Werken der Schweizer Autorin, in einer Science-Fiction-Welt wieder, einer Welt, die gleichsam utopisch wie dystopisch anmutet. Clavadetscher nimmt die philosophische Strömung des Antinatalismus auf und stellt die Frage: Ist es heute, angesichts zahlreicher Kriege und Naturkatastrophen, moralisch vertretbar, Kinder zu zeugen? Ist die Befreiung vom gesellschaftlichen Reproduktionszwang nicht der letzte Akt weiblicher Emanzipation? Oder ist diese Freiheit nur eine vermeintliche, da sich der Wunsch nach Fortpflanzung nicht rational wegargumentieren lässt?

Im ersten Teil des Stückes ist die Natur geheilt, alle Rohstoffe und Ressourcen sind gerecht verteilt, für alles ...

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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 147
von Julia Fahle

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