Seltsame Heilige

Dieter Dorn zelebriert im Münchner Residenztheater Botho Strauß’ neueste Gegenwartsverachtung «Die eine und die andere», und Stephan Kimmig glaubt überzeugend an Lukas Bärfuss’ «Der Bus»

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Wenn die Götter den Osten lieben, dann behalten sie es jedenfalls auffällig für sich. Der Dürre-Sommer 2003 ließ in Brandenburg die Felder vertrocknen, die Duschen in den Camping-Plätzen versiegen, und die anhaltende Medien-Krise hat die freischaffende Architekturkritikerin Lissie Kelch obendrein den letzten Job gekostet.

Worauf sie ihren Kleinwagen voll lädt und sich mit der letzten Tankfüllung von Berlin in den Oderbruch aufmacht, direkt zu ihrer alten Freundin Insa Breydenbach auf Gut Serkow – oder was von den beiden übrig geblieben ist – und mitten hinein in Botho Strauß’ neues Stück: zum gemütlichen Ruinen-Palaver im Abendrot der Gegenwart.

Er halte «das selbstbestimmte Individuum für die frechste Lüge der Vernunft», hatte Strauß in «Beginnlosigkeit» verkündet. Und wie zum Beweis wieder einmal ein paar dramatische Prachtexemplare seiner These versammelt. Die beiden älteren Damen können auf solide Achtundsechziger-Biographien zurückblicken. Man war emanzipiert, engagiert, feministisch und auch sonst allweil auf der Höhe des individualistischen Zeitgeists. Die familiären Werte sind darüber etwas in den Hintergrund getreten. Lissie hat Insa jedenfalls regelmäßig die Männer ...

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Theater heute März 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 4
von Franz Wille

Vergriffen
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