Sein vor Sinn
Ich bin Milan, sagt Milan, und ich koche gern, wirklich. Dann packt er seine Messer aus, säbelt ein bisschen auf ihnen herum, bis jeder eventuell vorhandene Schliff ruiniert ist und guckt zufrieden ins Publikum. Außer Milan gibt es noch Herbert, Marc und Samuel. Der eine fickt gern, der andere isst gern, und der dritte fühlt sich am wohlsten beim Autofahren oder an den großen Brüsten seiner Ersatzmutter. Nichts Besonderes also, so geht es vielen.
Ende der siebziger Jahre war Marco Ferreris «Das große Fressen» ein Ausbund an Dekadenz, Sinnbild einer wohlstandssatten Zivilisation, die am eigenen Überfluss erstickt. Kapitalismuskritik, die den Kapitalismus für seine Gewinner zu Ende denkt. Nicht an den Klassenverhältnissen wird irgendetwas oder irgendwer scheitern, man wird sich stattdessen großbürgerlich aufwendig und ein klein wenig ergreifend zu Tode konsumieren. Wenn Dimiter Gotscheff in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, nach wie vor der Zentralbunker der deutschen theatralen Kapitalismuskritik, Ferreris Film zur Bühnenvorlage nimmt, weiß jeder, was gemeint ist. Was zählt zwischen damals und heute, sind die feinen Unterschiede.
Während von der Decke und aus dem Boden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Unglaublicherweise liefern Familienaufstellungen noch immer die besten Daten, um herauszufinden, wer wir sind. Wir erfahren etwas über die unbekannten Bedingungen der Möglichkeit, andere wahrzunehmen und mit anderen zusammenzusein. So unpersönlich, wie Fosse die Sache in seinem neuen Stück «Besuch» angeht, wird daraus rasch ein Experiment mit Laborcharakter. Wenige...
Das Theater hat mich besser in allem gemacht», findet Abdul. «Das Gute ist, dass alle zusammenhalten, dass alle mitarbeiten», lobt Christin. «Man nimmt andere Rollen an, versetzt sich in die Lage anderer Menschen, das gefällt mir – sich selbst loslassen, jemand anderes werden», sagt Marina. Abdul, Christin und Marina, alle 16 oder 17, gehen ins berufsvorbereitende...
Es war einmal ein namenloser Diener, der von seinem Herrn, einem gewissen Capulet aus Verona, eine Gästeliste in die Hand gedrückt bekam und darauf starrte wie jenes sprichwörtliche Schwein in jenes sprichwörtliche Uhrwerk. Der Kerl konnte weder lesen noch schreiben und hatte dennoch einen Auftrag zu erfüllen, der von ihm verlangte zu wissen, was geschrieben steht....
