Neurotische Frauen
Wie man hört, wird Bernd Eichinger demnächst in Zusammenarbeit mit einem renommierten Baader-Meinhof-Chronisten die Geschichte der RAF verfilmen. Zu erwarten ist eine oberflächenpolierte Terroristen-Schmonzette, die sich als Historie geriert. Ein bekanntes Fernsehgesicht wird in Zukunft für Ulrike Meinhof stehen, und endlich werden wir die Menschen, die unsere Geschichte bestimmt haben, kennen, ihre Gefühle und ihre Motivationen verstehen.
In Elfriede Jelineks «Ulrike Maria Stuart» versteht man erst einmal wenig – zersplittert, überhöht und grotesk erscheinen die Figuren, zersplittert auch die Geschichte und undurchdringbar die Sprachwüste, die uns die Autorin zumutet. Königinnen, Engel und Prinzen samplen sich durch drei Zeitspannen, durch Ideologien und Ideologielosigkeit und erzählen ganz nebenbei von der Unmöglichkeit einer auch nur halbwegs objektiven Geschichtsschilderung.
Maria Stuart und Elisabeth I., Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin – gleich zwei mal zwei Königinnen, zwei mal zwei Frauen kämpfen in Elfriede Jelineks neuestem Stück um Macht und Liebe, bekämpfen sich gegenseitig und kommen zu Fall. Ausgehend vom Kerker, von der Strafjustizanstalt Stammheim, öffnet Elfriede ...
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Was für Regeln gelten für die 38 Kritiker, die auch in dieser Spielzeit wieder die Schauspieler, Inszenierungen, Stücke und Bühnen des Jahres gewählt haben? Eigentlich keine, außer dass sie ihre Voten rechtzeitig einsenden müssen. Ansonsten sind sie nur sich, dem Theaterhimmel über ihnen und ihren persönlichen Regelwerken verpflichtet.
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Das 6. Festival Internationale Neue Dramatik an der Schaubühne beginnt in ein paar Tagen, und noch immer gibt es keine Nachricht von Debbie Tucker Green. Kommt sie zur szenischen Lesung ihres neuen Stückes «Stoning Mary» oder kommt sie nicht? Ihr Londoner Verlag weiß es nicht, E-Mails, die Bekannte an Tucker Greens Privatadresse weiterleiten, werden nicht...
Als Hasko Weber im Herbst vergangenen Jahres seine Intendanz am Staatsschauspiel Stuttgart antrat, drückte er den Schwaben gleich mal eine Faust aufs Auge: Als Logo wählte er eine geballte Hand, das Zeichen der Arbeiterbewegung und des Klassenkampfs. Weiß, auf olivgrünem Grund, umrandet vom Kreis des Copyright-Zeichens, prangte es auf T-Shirts, Plakaten und...
