Phänomen Abstieg
1. Abstieg, politisch: Freundliche Übernahme
«Kultur» ist eine Standesorganisation wie die Ärzteschaft oder die Justiz (vgl. hierzu Alexander Kluge: «Korti», in: «Lebensläufe», Stuttgart 1962). Die Angehörigen des Kulturstandes (heute oft irreführend: «Kulturbetriebes») schützen die Ihren. Aber wie? Und wovor? Man begreift sich gern als Opfer, ohne diese Fragen beantworten zu können.
Ein Gedankenspiel des ehemaligen Theaterkritikers D.
:
Übernahme des ehemals bürgerlichen Kulturbetriebes durch die Unterhaltungsindustrie: Ein Konsortium – Vivendi, Metropolen-Magazin «Prinz», Nestlé – kauft für eine Summe von einem Euro den deutschen Stadttheaterbetrieb. Problem: Man darf das nicht sagen. Allein die Präsentation der Idee in satirischer Form würde den Stadtkämmerern so viel Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, dass ihre Verwirklichung kaum noch zu verhindern wäre: der weiße Ritter!
Businessplan:
Vivendi sorgt dafür, dass in den Aufführungen die Musik der konzerneigenen Label verwendet wird. Die Theaterkünstler dürfen zur Premiere wichtiger neuer CDs Revuen inszenieren. Gelegentlich kann ein Musikstar, der bei den Labels des Konzerns unter Vertrag ist, für eine Theaterproduktion ...
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Theater heute Jahrbuch 2006
Rubrik: Regeln des reglosen Kritikers, Seite 44
von Robin Detje
Wie machen sie das nur, Katharina Schüttler und Felix Goeser, die Hedda Gabler an der Berliner Schaubühne und der Stuttgarter Platonow, erst wenige Jahre am Theater und schon Schauspieler des Jahres?
Gibt es dafür auch Regeln? Zwei Porträts über die bezwingendsten Darsteller der Saison, deren Bühnenwirkung sich kaum jemand entziehen kann.
...Das Theater hat mich besser in allem gemacht», findet Abdul. «Das Gute ist, dass alle zusammenhalten, dass alle mitarbeiten», lobt Christin. «Man nimmt andere Rollen an, versetzt sich in die Lage anderer Menschen, das gefällt mir – sich selbst loslassen, jemand anderes werden», sagt Marina. Abdul, Christin und Marina, alle 16 oder 17, gehen ins berufsvorbereitende...
Unglaublicherweise liefern Familienaufstellungen noch immer die besten Daten, um herauszufinden, wer wir sind. Wir erfahren etwas über die unbekannten Bedingungen der Möglichkeit, andere wahrzunehmen und mit anderen zusammenzusein. So unpersönlich, wie Fosse die Sache in seinem neuen Stück «Besuch» angeht, wird daraus rasch ein Experiment mit Laborcharakter. Wenige...
