Fremdheit und Freiheit
Gute Literatur hat immer von guten Geschichten gelebt. Und gute Geschichten haben Leute geschrieben, die umständehalber viel gereist sind, verfolgt wurden … In der Kultur hat es immer diese Zuwanderung gegeben, auch in der Wirtschaft, durch die grenzüberschreitenden Händler. Sie zeigen, dass die Welt viel größer ist als die Scheune, die man kennt. Und es ist kein Zufall, dass der Archetyp des Künstlers in der griechischen Mythologie zugleich ein Fremder ist. Daidalos hat seine großen Werke im Exil geschaffen.
Die Übereinstimmung von Künstler und Fremdem ist in unserem Denken verankert.»
Dimitré Dinev weiß, wovon er spricht, wenn er auf das Verhältnis von künstlerischer Freiheit und existenzieller Fremdheit hinweist. Er selbst ist solch ein fremder Erzähler, Geschichtenhändler über Grenzen hinweg. 1968 im bulgarischen Plovdiv geboren, floh er 1990 nach dem Militärdienst nach Österreich, schlug sich ohne gültige Papiere in allen möglichen Tätigkeiten durch und ist heute, nach Erscheinen seines zu Recht viel gepriesenen Romans «Engelszungen» und dem Erzählband «Ein Licht über dem Kopf», einer der interessantesten österreichischen Schriftsteller seiner Generation. Vor kurzem sind die ...
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Die Berliner Tageszeitung «Germania» veröffentlicht am 9. August 1930 einen Aufsatz der jungen Dramatikerin Marieluise Fleißer. Die durch Skandale um die Uraufführungen ihrer Stücke «Fegefeuer in Ingolstadt»( 1926) und «Pioniere in Ingolstadt» (1928) bekannt gewordene Dramatikerin porträtiert zwei Jahre nach der Einführung des Tonfilms auf ungemein anrührende Weise...
Der Gegenwartsautor ist im Zeitalter von Projekten und omnipotenten Regisseuren zu einer knöchernen Existenz erstarrt: altmodisch, lästig, rückständig in seinem Beharren auf Sprache, anmaßend in dem Glauben, einem Text könne vertraut werden. Katharina Schmidt, Jahrgang 1980 und Absolventin des Studienganges «Szenisches Schreiben» an der Universität der Künste...
