Schwerin: Im Hamsterrad

Franz Molnár «Liliom»

Theater heute - Logo

Erzählt wird vom Ende her. Titelheld Liliom rammt sich gleich im ersten Bild ein Messer in die Brust und verblutet vor dem Eisernen Vorhang, aus dem sich ein Stahlgerippe in die verschnörkelte Neorenaissance-Architektur des Mecklenbur­gischen Staatstheaters schiebt. Ein Hamsterrad vielleicht, das einen nicht mehr loslässt, wie schnell man auch rennen mag. Oder ein Röhnrad, das einsam auf früheren Spaß verweist. Oder ganz profan das Karussell, auf dem der Schausteller Liliom zu Lebzeiten arbeitete. Jedenfalls ist Liliom tot.

Und wird nicht etwa von Engeln abgeholt, sondern von zwei Polizisten: Das Himmelstor ist eine trostlose Polizeiwache, und der Tod keine Erlösung, sondern armselig jovialer Bürokratismus. Strizzi-Romantik gibt es keine, sagt Regisseurin Alice Buddeberg, dann lässt sie den Vorhang hochfahren, und dann fängt sie noch einmal von vorne an.

Franz Molnárs 1909 uraufgeführte «Vorstadtlegende» «Liliom» ist kein einfaches Stück. Die Geschichte eines Kleinkriminellen, der seine Freundin schwängert, versucht, mittels eines Raubüberfalls eine Zukunft für die junge Familie zu konstruieren und dabei gnadenlos scheitert, der sich der Verantwortung mittels Suizid entzieht und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2017
Rubrik: Chronik, Seite 68
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Die Überbringer der Botschaft

 Wer hätte gedacht, dass der Puls der Zeit noch schneller schreibt als Elfriede Jelinek? Ihr Textkonvolut «Wut», angeregt von der Empörung über das Attentat auf «Charlie Hebdo», den Überfall auf den jüdischen Supermarkt in Paris und die folgenden Terroranschläge vom November 2015, stammt noch aus einer Zeit vor der englischen Brexit-Entscheidung, vor der Wahl von...

Von den Verstörungen

Der Flüchtling ist meist Objekt. Ein Problem, das gelöst werden muss. Eine Zahl. Ein Kostenpunkt. Ein Punkt. Nie ein Komma. Weil er nicht mehr wegzudenken ist, muss er Ding bleiben. Es gibt ein Leben nach der Flucht. Doch die Flucht wirkt fort, ein Leben lang. Unabhängig von den jeweiligen individuellen Prägungen, von Schuld, Bewusstsein, Absicht, Sehnsucht. Der...

Unversöhnliche Liebeserklärung

Lang hat man nichts von ihm gehört. Auch im Münchner Revier zwischen Marienplatz, Viktualienmarkt und dem Schneider Bräuhaus im Tal, wo man ihm früher oft über den Weg laufen konnte, weit ausschreitend mit weißen Cowboystiefeln, den Blick entschlossen ins Blaue gerichtet, ist Herbert Achternbusch nicht mehr unterwegs. Die Beine wollen nicht mehr.

Altersweise ist...