Schuld und Bühne
Dostojewski ist einer der Autoren, an die man einmal geglaubt haben muss. Für empfängliche Seelen ist das eine beglückende Zeit, man identifiziert sich mit des Russen irrsinnsnahem Allmitgefühl: sein spezielles Gespür für die Spielsucht des Spielers, die Zerrüttung des Mörders, die Fallsucht des Idioten. Später schämt man sich dann etwas für die Dostojewski-Begeisterung oder freut sich, dass man das einmal erleben durfte. Damit ist es dann meist auch gut, sofern man nicht vom Dostojewski-begeisterten deutschen Theater wieder angesteckt wird.
Zum Beispiel «Schuld und Sühne» am Schauspiel Frankfurt. Schnell die notwendigen Eckdaten: Wir haben fünf Raskolnikows (Nico Holonics, Torben Kessler, Oliver Kraushaar, Christoph Pütthoff und Lukas Rüppel, alle in grauer Einheitsunterwäsche), wobei Holonics den Oberraskolnikow gibt und die anderen schon auch mal die anstehenden anderen: Torben Kessler etwa den Ermittlungsrichter Porfiri. Es geht darum, dass Raskolnikow verrückt ist, sich im Kopf vervielfacht hat und mithin eine multiple Persönlichkeit ist. Das wird anfangs von Holonics allein, dann immer mit einem zusätzlichen Schauspieler, später von allen fünf gemeinsam vorgeführt, mit viel ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Peter Michalzik
Dass das Theater bei seinem Besuch im Deutschen Bundestag vor «spielerischen Versuchsanordnungen» nicht zurückschrecken würde, war zu befürchten. «Ich bitte Sie jetzt – ohne lange zu überlegen – ihren politischen Standort zu bestimmen», leitet die freundliche Dramaturginnen-Stimme eine Gruppe von gut 150 Menschen im SPD-Fraktionssaal bei der «Aufwärmübung» an....
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Ziemliches Pech für Amir Kapoor. Gerade noch ein aufstrebender Staranwalt in New York, der sich 600-Dollar-Hemden kauft und seine Mitarbeiter auch am Wochenende zusammenfaltet, wenn sie nicht sofort zurückrufen, doch keine drei Szenen weiter liegen Karriere und Privates in Trümmern. Job weg, Frau weg, Wohnung weg. Und alles nur, weil er seinem Neffen Hussein einen...
