Dramaturgie: Politikaufstellung mit Base-Cap

Unter dem Titel «Was tun. Politisches Handeln jetzt» feierte die Dramaturgische Gesellschaft ihr 60-jähriges Jubiläum im Deutschen Theater Berlin

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Dass das Theater bei seinem Besuch im Deutschen Bundestag vor «spielerischen Versuchsanordnungen» nicht zurückschrecken würde, war zu befürchten. «Ich bitte Sie jetzt – ohne lange zu überlegen – ihren politischen Standort zu bestimmen», leitet die freundliche Dramaturginnen-Stimme eine Gruppe von gut 150 Menschen im SPD-Fraktionssaal bei der «Aufwärmübung» an. Gehorsam, wenn auch ein wenig irritiert, bewegt sich die Menge ins linke Raumspektrum.

Zwischen einzelnen Anzugträgern des politischen Establishments, sichtlich um Haltung bemüht, leuchten farbenfroh die DramaturgInnen-Köpfe, die sich aus Distinktionsgründen mit quietschorangenen Base-Caps verkleidet hatten. Spielfreude pur.

Links oder rechts im Raum

Mit «Was tun. Politisches Handeln jetzt» hatte sich die Dramaturgische Gesellschaft bei ihrer Jahreskonferenz Ende Januar sicherlich keine leichte Aufgabe gestellt. Das obligatorische Frage­zeichen, das die literarische Tradition des politischen Schreibens von Tschernyschewski und Lenin bis zuletzt Milo Rau im Titel begleitet, hatte man mutig gestrichen: Vorerst schien das Tun also außer Frage zu stehen. Ein ähnlich progressives Sendungsbewusstsein klang beim Titel der ...

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Theater heute März 2016
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Anja Quickert

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GEÄCHTET

Ort

Eine geräumige Wohnung an der Upper East Side in New York.


Zeit

2011 bis 2012.
Die ersten beiden Szenen spielen im Spätsommer 2011.
Die dritte Szene spielt drei Monate später im Herbst.
Die vierte Szene spielt sechs Monate später im Frühling.


Das Stück sollte ohne Pause gespielt werden



SZENE EINS

Licht.
Hohe Decken, Parkettboden, Profilleisten. Das...

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