Gemeinsam einsam
Die Jugendstilbühne der Münchner Kammerspiele liegt in tiefem Nebel. Von goldgelbem Licht durchglühte Trockeneisschwaden dampfen aus der Nebelmaschine. Auch der Nieselregen vom Theaterhimmel sowie die federleichten Felsbrocken und Grasbüschel, die fünf hemdsärmelige Arbeiter in diesem hochwandigen Museumsmagazin bereits ausgiebig von vorne nach hinten geräumt haben, sind offensichtlich künstlich.
Jetzt greift sich der durchtrainierte Schauspieler Franz Rogowski einen Styroporstein, als sei’s ein Baywatch-Rettungsbrett, und schmeißt sich wie ein übermütiger Delfin auf den nassen Boden, um wieder und wieder triumphal über die Diagonale zu glitschen. Dazu liefert sein Kompagnon Stefan Merki fantastische Trommelwirbel, die, zusammen mit eingespieltem Sphärenbrausen, dem sinnfreien Treiben auch akustisch hypnotische Dichte und Plastizität verleihen.
Leider ist diese rauschhafte Rutschszene ein ziemlich einsamer Höhepunkt in Philippe Quesnes erster Münchner Produktion «Caspar Western Friedrich». Und das, obwohl die Komponenten der Inszenierungsinstallation durchaus vielversprechend sind: Quesne übersetzt bildnerische Motive des romantischen Greifswalder Malers Caspar David Friedrich in ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 15
von Eva Behrendt
Als Klaus Michael Grüber, der große apokalyptische Querkopf, 1988 mit Labiches «Die Affäre Rue de Lourcine» in der lakonischen Übersetzung Elfriede Jelineks seine erste (und einzige) Komödie an der Berliner Schaubühne inszenierte, war die Begeisterung so groß wie die Überraschung. Labiches Einakter eines verkaterten Morgens, in dem sich zwei Bürger in den Abgründen...
«Unmoralische Menschen werden blass unter der Peitsche der Satire», heißt eine Sentenz in einem antiken Text des römischen Dichters Persius. Auf einer Illustration des berühmten belgischen Symbolisten Fernand Khnopff räkelt sich dazu eine dunkelhaarige Nackte und entzieht sich dem lüsternen Zugriff zweier in das Bild ragender Hände. Auch der Regisseur Stef Lernous...
Dostojewski ist einer der Autoren, an die man einmal geglaubt haben muss. Für empfängliche Seelen ist das eine beglückende Zeit, man identifiziert sich mit des Russen irrsinnsnahem Allmitgefühl: sein spezielles Gespür für die Spielsucht des Spielers, die Zerrüttung des Mörders, die Fallsucht des Idioten. Später schämt man sich dann etwas für die...
