Migration und Hintergründe
Ziemliches Pech für Amir Kapoor. Gerade noch ein aufstrebender Staranwalt in New York, der sich 600-Dollar-Hemden kauft und seine Mitarbeiter auch am Wochenende zusammenfaltet, wenn sie nicht sofort zurückrufen, doch keine drei Szenen weiter liegen Karriere und Privates in Trümmern. Job weg, Frau weg, Wohnung weg. Und alles nur, weil er seinem Neffen Hussein einen Gefallen getan und als unvoreingenommener Strafverteidiger ein gutes Wort für dessen unter Terrorismusverdacht stehenden Imam eingelegt hat.
Solches Engagement schätzen die jüdischen Karrierehengste in seiner Topkanzlei gar nicht.
Besonders ungerecht, dass deren Alltagsrassismus ausgerechnet diesen vollintegrierten Vorzeigeamerikaner erwischt, der den pakistanisch klingenden Namen der Eltern, die muslimische Religion und alle weiteren Herkunftsspuren abgelegt hat – und zwar aus voller Überzeugung: Es gibt keinen beredteren Islamkritiker bis über die Grenzen der Aufklärung hinaus als Amir, der seiner von islamischen Ornamenten begeisterten Frau, einer hippen Künstlerin mit naivem Orient-Faible, bei Gelegenheit auseinandersetzt, dass der Koran ein Hassbrief an die Menschheit sei. Das könnte Pegida nicht besser.
Ayad Akhtar, ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Franz Wille
1. Prozess, nicht Produkt
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