Schön war die Zeit
Früher bedeckten mich meine Triggerpunkte wie eine zweite Haut. Man hätte sie benutzen können, um einen hochauflösenden Wut-Avatar von mir zu erstellen und auf den Cyberspace loszulassen. Virtuelle Verwüstung wäre garantiert gewesen. Mit kleinen Abstrichen galt das auch im richtigen Leben, und wenn ich richtiges Leben sage, meine ich natürlich die Kunst.
Im Theater setzten sich die Leute von mir weg, weil sie mein ärgerliches Gemurmel während der Vorstellungen nicht mehr ertragen konnten, wenn zum Beispiel Ulrich stammelnd den Getriebenen gab oder Lars sich im Spiegellabyrinth seines Neunzigerjahre -Humors vervielfältigte oder August aus seinen eigenen Angeberschachtelsätzen nicht mehr herausfand. Meine Wut sprang verlässlich an, wenn nicht mehr ganz frische Mackertypen öffentlich Momente erlebten, in denen sie sich unglaublich genial fanden. Denn dann er -kannte ich mich selbst in ihnen und hasste sie dafür.
Heute denke ich neidisch über mein früheres Ich: Deine Trigger will ich haben! Wo damals Wut war, ist heute Hilflosigkeit. Neulich sagte sehr unvermittelt ein lieb gewonnener Arbeitskollege zu mir: «German newspapers kill.» Als leidenschaftlicher Zeitungsleser wunderte ich ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Ärgernisse, Seite 92
von Veit Sprenger
Dieser Bilderstrom ist eine permanente Überwältigung, ein irrer Sog, ein Labyrinth, in dem man sich verlieren kann. Dynamisch und in hohem Tempo ergießt er sich in der Romanadaption «RCE» am Berliner Ensemble auf Daniel Roskamps Bühnenkonstruktion. Wie mit Buntstift schraffierte Farbnetze auf schwarzem Grund zum Auftakt, sich in verschiedenen Graustufen...
Deutschsprachige Erstaufführungen
A
Ayad Akhtar
Der Fall McNeal (Burgtheater Wien)
François Archambault
Erinnerungen von morgen (Landestheater Rudolstadt)
Annalisa Arione und Dario de Falco
Geschichte eines Nein (Theater Heilbronn)
B
Alexandra Badea
Aus dem Schatten: Thiaroye (Schauspiel Köln)
Sarah Berthiaume
Wollstonecraft (Theater Freiburg)
Alice Birch nach...
Endlich erhält in den letzten Jahren die Frage, wie Menschen mit Behinderungen in den Theatern sichtbar werden und aktiv vorkommen können, zunehmend die dringend gebotene Aufmerksamkeit im deutschsprachigen Diskurs. Gleichzeitig gibt es bisher noch immer wenige dramatische Texte, die sich mit dem Komplex Inklusion auseinandersetzen. Der 1987 in Bochum gebore -ne...
