Schön viel Sprache
Worum geht’s? Eine schwule Liebesgeschichte im Beirut des Vorkriegssommers ’24. Die verschwundenen Menschen in Mexiko, Opfer von Drogenmafia und/oder die Polizei und ihre Mütter. Eine Schwarze Frau, aufgewachsen in Deutschland und bestens integriert, die plötzlich ihre deutsche Sprache verliert. Die lange Schlange unserer demokratisch liberalen Gesellschaft vor einer Lottobude, wo 300-jähriges Leben verlost wird. Vergessen und verschwinden in China zwischen Kulturrevolution und Alzheimer. Schnelle und langsamere Veränderungen zwischen privater Trennung und globaler Katastrophe.
Ganz schön viel los in «Mehr Drama!», der Stückemarkt-Wiederauferstehung des Theatertreffens. 2023 hatte man das tradi -tionsreiche Neue-Dramatik-Format schon offiziell beerdigt, nach mehreren unbefriedigend gebliebenen Reformversuchen in den 2010er Jahren, als die zeitgenössische Dramatik an Hipsterfaktor deutlich eingebüßt hatte gegenüber performativeren Darstellungsformen. Diese hatte man zwar auch integrieren wollen, überdehnte damit aber das ursprüngliche Stückemarkt-Konzept bis 2022 zur Kaum-noch-Kenntlichkeit. Erschwerend kam hinzu, dass in Berlin alljährlich übermächtige Konkurrenz auf den Plan ...
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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Festival, Seite 45
von Franz Wille
Schillers «Räuber» sind ein beliebtes Angriffsziel für Inszenierungen. Was kann man da nicht alles treffen, umdrehen, zerfetzen, verulken! Die Konstruiertheit des Gegensatzpaares der Brüder Franz und Karl Moor. Die Widersprüchlichkeit des Charakters Karls zwischen Brutalität und sentimentalem Heimweh. Die Eindimensionalität des Charakters der «Canaille» Franz, als...
Man hört, bevor man sieht, schnelle Schritte, keuchenden Atem, Hundegebell und ein Platschen wie von einem Sprung ins Wasser. Auf einen Gazevorhang projiziert, schwappen nächtliche Wellen, dann ist da plötzlich ein Gesicht, Angst in aufgerissenen Augen: ein Mensch auf der Flucht, der gerettet wird – und sich am Ende resigniert die Kugel geben wird.
Maria Lazars...
Dieser Woyzeck hat nichts zu tun mit den gepeinigten Psychopathen und abgerissenen Opfern, als die Georg Büchners prominenteste Theaterfigur oft gezeigt wird. Oh nein. Der Woyzeck von Abdul Aziz Al Khayat hat Style. Wendig wie eine Schlange, gekleidet wie frisch vom Pariser Catwalk, der auch tatsächlich mitten ins Publikum führt, ein glamouröser Outsider voller Wut...
