Gratwanderungen

Leonie Böhm versteigt sich an den Münchner Kammerspielen in dem Roman «Mein kleines Prachttier» von Lucas Rijneveld, Claudia Bauer reanimiert Werner Schwabs «Präsidentinnen» und Silvia Costa durchleuchtet zwei Theatertexte von Marguerite Duras im Marstall

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Gefühle dürfen sein, sind ohnehin da und lassen sich nur in begrenztem Maß beeinflussen. Lüste und Ängste sind die treibenden und hemmenden Kräfte des Lebens, die für Bewegung sorgen, dafür, dass was passiert.

Was aber, wenn ein Wunsch auf ein Verbrechen abzielt? Wenn die Erfüllung des eigenen Begehrens die Zerstörung eines anderen bedeutet? Ist die Kunst, sind Literatur oder Theater dann Orte, um ein solches verbotenes Gefühl zumindest zur Sprache zu bringen? Darf, ja soll man darüber reden, auch aus der (imaginierten) Perspektive eines Täters?

Man macht es sich damit zumindest nicht einfach, so wie Leonie Böhm, die sich für ihre neue Produktion an den Münchner Kammerspielen, sieben Jahre nach den mitreißend unbekümmert rebellierenden «Räuberinnen» nach Schiller, einen Text ausgesucht hat, der beim Lesen schaudern lässt: «Mein kleines Prachttier» von Lucas Rijneveld, erschienen 2020 in den Niederlanden (und 2021 in der deutschen Übersetzung von Helga von Beuningen) noch unter dem Namen Marieke Lucas Rijneveld, ist ein Roman, der sich der pädophilen Obsession eines 49-jährigen Tierarztes für eine 14-jährige Bauerstochter widmet, und zwar mit einem ungebremsten, von ...

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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Silvia Stammen

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