Gratwanderungen
Gefühle dürfen sein, sind ohnehin da und lassen sich nur in begrenztem Maß beeinflussen. Lüste und Ängste sind die treibenden und hemmenden Kräfte des Lebens, die für Bewegung sorgen, dafür, dass was passiert.
Was aber, wenn ein Wunsch auf ein Verbrechen abzielt? Wenn die Erfüllung des eigenen Begehrens die Zerstörung eines anderen bedeutet? Ist die Kunst, sind Literatur oder Theater dann Orte, um ein solches verbotenes Gefühl zumindest zur Sprache zu bringen? Darf, ja soll man darüber reden, auch aus der (imaginierten) Perspektive eines Täters?
Man macht es sich damit zumindest nicht einfach, so wie Leonie Böhm, die sich für ihre neue Produktion an den Münchner Kammerspielen, sieben Jahre nach den mitreißend unbekümmert rebellierenden «Räuberinnen» nach Schiller, einen Text ausgesucht hat, der beim Lesen schaudern lässt: «Mein kleines Prachttier» von Lucas Rijneveld, erschienen 2020 in den Niederlanden (und 2021 in der deutschen Übersetzung von Helga von Beuningen) noch unter dem Namen Marieke Lucas Rijneveld, ist ein Roman, der sich der pädophilen Obsession eines 49-jährigen Tierarztes für eine 14-jährige Bauerstochter widmet, und zwar mit einem ungebremsten, von ...
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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Silvia Stammen
Figuren
Lin, 24
Ming, 36, Lins Bruder
Sarah, 27
Mr. Mouse, 52
Feng, 27
Ein paar Mäuse
Sarah und Feng sind in Berlin, alle anderen in Beijing. Die Mäuse können von allen im Ensemble gespielt werden.
SZENE 1 Jemand aus der Stadt
Mr. Mouse Ich gehe frühmorgens gerne laufen, in der Nähe meiner Wohnung, es ist eine saubere, ruhige Gegend. Am liebsten laufe ich um den...
Alle drei Jahre ruft Theater der Welt, diesmal in die sächsische Provinz nach Chemnitz. Ein Report über ein ungewöhnlich kuratiertes Festival
Warum hat sich eigentlich in Zeiten der Klimakrise noch niemand mit den Auswüchsen des Tourismus beschäftigt? Rebekka Kricheldorfs «Welcome to Schöny – Please get the fuck out!» hält dagegen. Der Stückabdruck
Die Redaktion...
Es steht nicht gut um die Kunst. Verfassungsrechtlich frei, muss sie sich förderpraktisch zunehmend an ihrem gesellschaftlichen Mehrwert messen lassen – Kunst als Dienstleisterin. Folgerichtig wählt «Stop Being Poor» aus dem Studio Julian Hetzel am Stuttgarter Theater Rampe den direktesten Weg zum sozialen Wandel: Ein Mensch bekommt Geld. 15.000 Euro, ausgezahlt...
