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Matthew López «Resonanzen» (DE) am Theater Luzern

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«Je mehr wir uns wie Voyeure fühlen, desto besser», stellt der US-Dramatiker Matthew López seinem bereits 2015 in Hartford, Connecticut, prämierten Stück «Reverberation» voran. Auf die Europapremiere 2025 in Bristol folgt nun die deutschsprachige Erstaufführung am Luzerner Theater (in der Übersetzung von Hannes Becker: «Resonanzen»). López, im deutschsprachigen Raum vor allem für sein Stück «Das Vermächtnis (The Inheritance)» bekannt, soll hier erneut einen Hauch Broadway versprühen.

Voyeuristisch kann sich das Luzerner Publikum schnell fühlen.

Als sich der Vorhang langsam hebt, beginnt der Abend mit einer ausgiebigen Sexszene. Eng umschlungen liegen Christian Baumbach und Max Faatz im Bett des unteren der beiden übereinanderliegenden Schlafzimmer. Jan Freese hat seine Bühne entlang von López’ Regieanweisungen als zweigeschossigen Hausanschnitt angelegt und der EG-Wohnung als Hauptschauplatz eine Leseecke auf der Vorderbühne spendiert. Ansonsten: Zwei Zimmer, Küche, Bad, wie man sie sich im Queens (NYC) der 2010er Jahre vorstellt. Oben spärlich, unten vollgestopft mit Büchern.

Während Wes (Faatz) Jonathans (Baumbach) Wohnung scheinbar gar nicht mehr verlassen möchte, muss der zehn ...

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Theater heute März 2026
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Leonard Haverkamp

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