Hanni und Nanni 3.0
Theatertexte gibt’s, da ist der Titel schon die halbe Miete – «Schleuderdrama» gehört dazu. Wer findet nicht umstandslos den gedanklichen Weg von «Drama» zum «Trauma» und stellt sich die typische Halskrause vor, die nach einem Autounfall bleibende Schäden verhindern soll? Nun kommt zwar im neuen Theaterstück von Laura Naumann durchaus ein Pkw vor, einen Unfall aber hat der nicht. Die Fabel des Stücks ähnelt jedoch durchaus einem Crash: zwischen humaner Emotion und künstlicher Intelligenz.
Vor dreizehn Jahren, nach ersten Arbeiten in der Freien Szene, bis heute als Teil vom Frauen- und Performance-Kollektiv «Henrike Iglesias» und ehedem auch der Produktionsgruppe «machina eX», konnte Laura Naumann, Jahrgang 1989 und aus Leipzig, erstmals die Uraufführung eines Stücks an einem Stadttheater feiern. Die Umsetzung durch den Bielefelder Schauspiel-Chef Dariusch Yazdkhasti aber gerät ebenso handfest wie herausfordernd; und obendrein auch noch ziemlich entspannt und vergnüglich.
Tatsächlich muss jedes Ensemble, das sich an dieser Komödie versucht, eine Voraussetzung erfüllen – benötigt werden zwei möglichst junge Schauspielerinnen, die einander einigermaßen ähnlich sehen. Denn Naumanns ...
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Theater heute März 2026
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Michael Laages
Der Sprung ins kalte Wasser. Die Ich-Erzählerin in Constance Debrés Autofiktion «Love me tender» wagt ihn: Mit Körperspannung und offenen Augen taucht sie ab in eine neue Existenz zwischen Mut und Übermut, Sehnsucht und Isolation. Die Figur, ein Alter Ego der französischen Schriftstellerin Constance Debré, schwimmt buchstäblich gegen den Strom. Tag um Tag zieht sie...
Die Zukunft ist Geschichte» lautet der Titel einer epochalen Studie der russischamerikanischen Essayistin Masha Gessen. Das Buch reist zurück in die Gorbatschow-Ära, als das steinerne Gemäuer der Sowjetunion zaghaft zu bröckeln begann und sich ein Spalt zur Zukunft jenseits der sozialistischen Diktatur öffnete. Es schildert von dort aus, wie sich das Morgen in den...
Ein leerer Raum. Weiße Wände, weiße Sitzbank. Und Florent, weißer Rollkragen, weiße Hose, weiße Socken in weißen Sneakers (Kostüm Adriana Peretzki). Ein Mann, nicht mehr jung, noch nicht alt, angegrautes, halblanges, strähniges Haar. Tonlos beginnt Florent, von seinem durchschnittlichen Leben zu erzählen, eine Suada der Enttäuschungen: Kindheit, Studium, Arbeit,...
