Scheitern als Chance

Mit dem Schauspielhaus Graz unterwegs in Burkina Faso: eine Expedition der unvermeidbaren Widersprüche, wenn weiße Europäer ihre Kulturideen nach Afrika exportieren

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Als sie ihn sieht, erstarrt sie. Ihr Bruder Thomas Sankara trägt die charakteristische rote Kappe und Camouflage-Anzug, ein leichter Schweißfilm bedeckt sein Gesicht. Er blinzelt. Tränen treten in die Augen von Blandine, seiner jüngeren Schwester, heute 51 Jahre alt, Leiterin der Biofarm «Yelemani» (Veränderung). Sie überragt die Puppe um mehr als das Doppelte. Dann schüttelt sie ihr die Hand und lädt die Theatergruppe aus Graz zum Todestag von Thomas Sankara ins Haus seiner Familie ein.

 

Welche Ehre: Michael Pietschs meisterhaft ausgeführte Marionette hat einer deutsch-österreichischen Theatergruppe das Haus des burkinischen Nationalhelden geöffnet, an ihrem intimsten Trauertag. Dort sind fünf seiner Geschwister versammelt, Nichten, Neffen und Kusinen, es gibt roten Pissab, Ingwer-Limonade und Grießküchlein. Vier Jahre lang war Thomas Sankara Präsident von Burkina Faso, heute ist er eine afrika­nische Legende. Vier Jahre lang versuchte Sankara, der «Che Guevara Afrikas», oft mit Gitarre und Fahrrad unterwegs, jenes Land zu reformieren, das heute immer noch zu den zehn ärmsten der Welt gehört – und doch so eine reichhaltige Kulturszene hat. 

Sankara trat für Frauenrechte und ...

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Theater heute Januar 2019
Rubrik: International, Seite 38
von Dorothea Marcus

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