Labyrinth der Selbst­­­be­spie­ge­­lungen

Unter dem Festivalmotto «Save your Soul» laden die Berliner Sophiensaele zu Theaterformen im Therapiediskurs

Theater heute - Logo

Die Psychoanalyse sei eine der «erfolgreichsten Ideen» in westlichen Gesellschaften, schreibt die israelische Soziologin Eva Illouz in ihrem Buch «Saving the Modern Soul». Im Verlauf des 20. Jahrhunderts habe sie alle Bereiche der modernen Kultur durchdrungen und eine «völlig neue kulturelle Matrix» geschaffen, die «unser Verständnis vom Selbst und von anderen geprägt hat».

Der ursprünglich als Emanzipationsversprechen in Erscheinung getretene therapeutische Diskurs stürze das Individuum allerdings heute in ein Dilemma: Er habe das Selbst in ein permanent reparaturbedürftiges oder mindestens verbesserungswürdiges Projekt verwandelt. Im «emotio­nalen Kapitalismus» mit seinen kostenpflichtigen Therapie-, Coaching- und Selbsthilfe-Modulen seien Konsumkultur, soziale Beziehungen und Individualität so eng ineinander verflochten, dass sich Ökonomie und Gefühle gar nicht mehr voneinander trennen lassen. 

Auch mit dem Theater verbindet die Therapie verwandte Formen wie Storytelling, Symboltechniken, Rollenspiele, Psychodrama oder Re­enactment, während dem Theater umgekehrt das Therapeutische schon mit der Katharsis eingeschrieben ist. «Darüber hinaus gibt es derzeit einen Trend im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2019
Rubrik: Festivals, Seite 52
von Anja Quickert

Weitere Beiträge
Vorschau - Impressum (1/2019)

Leander Haußmann hat Großes vor: Er arbeitet seit Jahren an einem Stasi-Stoff für einen Roman, ein Stück und einen Film. Den Anfang macht das Theater: «Haußmanns Staats­sicherheit» an der Berliner Volksbühne. 

Svetlana Belesova, geboren auf der Krim, studierte Schauspiel in München, war in Nürnberg engagiert und ist jetzt im Ensemble des Schauspiels Bochum – ein...

Nachruf: Eine Frage der Existenz

Auf den Bühnen von Eimuntas Nekrosius war nie viel Licht – und das entsprach auch seiner Sicht der Dinge. Als der damals 37-jährige litauische Regisseur 1989 zum ersten Mal in Berlin gastierte, war kein Funken Glasnost-Begeisterung zu spüren. Gefragt, was er mit der neuen künstlerischen Freiheit anzufangen gedächte, meinte er lapidar: «Es ist wie mit...

Kassel: Die Liebe der Androiden

Was wissen wir von dem, was wir erfinden? Was wissen wir über Alexa und Siri, über Sex-Bots und Reborn-Babies, über Pygmalions Venus und Frankensteins Monster? Woher wissen wir, dass sie, mit denen wir so viele Affekte und Wünsche verbinden, denen wir uns so zeitintensiv und zugewandt widmen, selbst keine Gefühle haben, kein Bewusstsein? In seiner Uraufführung...