Frankfurt/Main: Showpferdchen und Erklärbären

Tim Crouch «An Oak Tree», Lutz Hübner & Sarah Nemitz «Furor» (U)

Wie ein aufgekratztes Showpferd galoppiert der Hypnotiseur herein, seine schwarzgoldgestreifte Weste spannt über dem Bauch. Sie ist, wie so vieles an diesem Abend, ein Zitat: ein Verweis auf einen verlorenen Glanz. Auf den Zauber, der dem namenlosen Hypnotiseur verlorenging. Doch er steht unter Vertrag und muss also weitermachen – oder zumindest so tun als ob. Denn um das gute alte «Als ob» geht es auch bei «An Oak Tree» von Tim Crouch, das der britische Dramatiker, Schauspieler und Regisseur nun am Schauspiel Frankfurt inszenierte.

Darin trifft ein Hypnotiseur, der vor drei Monaten ein Mädchen überfuhr und dem seither nichts mehr gelingt, auf den Kindsvater, der sich in seine Show schleicht. Ein typisch-britisches well-made Play, 2005 uraufgeführt, das das bekannte Drama von Kindstod, Schuld und Trauer anspielt – mit einem kleinen Kniff: Der oder die Schauspieler*in, die den Vater spielt, wechselt an jedem Abend und tritt ohne Proben auf. Dass sie nichts vom Stück und seiner Inszenierung wissen sollen, wie das Programmheft ansagt, klingt in der überinformierten Gegenwart allerdings wenig plausibel, steht dieses Wissen doch per Fingerwisch zur Verfügung.

Nun denn: Ein*e ...

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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Esther Boldt