Sadist im Gartenhäuschen
Dass ihm immer noch der Ruf des Regie-Berserkers vorauseilen würde, kann man nicht behaupten. Zu lange ist es her, dass er Opernliebhaber mit halbnackten Statistinnen auf Kühlerhauben erschrecken wollte. Inzwischen inszeniert Calixto Bieito wieder auf deutschen Schauspielbühnen, und da gelten ganz andere Regeln. Wer hier für Aufregung sorgen wollte, müsste sehr früh aufstehen.
Das gilt vor allem, wenn man sich «Die Räuber» zumutet und ausgerechnet dort inszeniert, wo Schillers Horde zum Heimspiel antritt: in Mannheim, wo der junge Friedrich Zuflucht suchte, in der Tasche das Jugendwerk. Während der Uraufführung im Januar 1782 war nordbadisches Heulen und Zähneklappern angesagt. Heute tritt man auf der Schillerbühne gegen Räuberbilder im Kopf des Zuschauers an, die dort vor nicht allzulanger Zeit installiert wurden.
Die Rede ist von Nicolas Stemanns chorischer Popbande und Antú Romero Nunes’ mit Zuschauererwartungen spielenden «Räubern». Diese akzentuierten Interpretationen gab es 2009 und 2013 während der Schillertage, die dieses Jahr mit Calixto Bieitos Inszenierung eröffnet wurden. Der katalanische Regisseur stellt den intriganten Moor-Sohn Franz ins Zentrum, der an die Geliebte ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Chronik, Seite 66
von Jürgen Berger
Aachen, Grenzlandtheater
30. Wilde, Das Bildnis des Dorian Gray
R. Udo Schürmer
Aalen, Theater der Stadt
3. Zappa Mulas, Auge um Auge
R. Tina Brüggemann
10. Müller/Ehrlich,
Jungfrau ohne Paradies
R. Gerburg Maria Müller
16. Stamm,
Im Bann der Bücher III – Agnes
R. Tonio Kleinknecht
Augsburg, Sensemble Theater
2. Undercover – Agenten ohne Grenzen, Die neue Staffel zur...
Yorgos Loukos sieht eine Spur angestrengter aus als im vorigen Jahr. Aber er ist immer noch Optimist, und er möchte lieber von Künstlern schwärmen, die er liebt, als über Schwierigkeiten und Kapitalkontrollen reden, die er nicht ändern kann. Und außerdem: Es muss weitergehen. Diesen Satz hört man in Athen in diesem Sommer sehr oft.
Ich treffe ihn am Morgen des 1....
Ich komme aus dem Urlaub, sie kommen aus dem Krieg. Sie haben ein Leben aufgegeben, um leben zu können. Einer der vielen Polizisten am Bahnsteig weist mir den Weg an den Flüchtlingen vorbei: «In den Mob wollen Sie nicht hineingeraten, glauben Sie mir!» Ich sehe keinen Mob. 500 erschöpfte Menschen, aussortiert nach Augenschein, befolgen geduldig wortlose Anweisungen...
