Rutschbahnen zur Hölle

Yael Ronen und Ensemble jagen am Berliner Gorki Theater mit dem Musical «Slippery Slope» über Karriereschlaglöcher in identitätspolitisch aufgeladenen Zeiten; das Schauspiel Leipzig kürzt kräftig die Uraufführung von Emre Akals «Hotel Pink Lulu» – der Stückabdruck liegt diesem Heft bei.

Als der schwedische Ethnopopstar Gustav seiner Muse und Backgroundsängerin Sky nach liebestrunkener Tournee die zweite Sprachnachricht sendet, kündigt er an, seiner Frau Klara die neue Liebe zu beichten. Doch jeder Satz, den Lindy Larsson als Gustav ins Handy spricht, scheint ein neues Fettnäpfchen zu eröffnen: «It will be painful at first, but eventually she will understand», sagt er über Klara. «She is a strong woman. Maybe she will even be friends with you! Not right away, but maybe after we have a child or something … she loves children.

But we don’t have to have children! I already have children. You know  my lifestyle ... they only see me half the time anyway. The small one is already in therapy.»

Collaboration – appropriation!

Da ist er schon, jener «Slippery Slope» oder auch rutschige Abhang, dem der «Almost a Musical»-Theaterabend von Yael Ronen und Ensemble seinen Titel verdankt. Während seine Liebesschwüre hier nur gewisse Unzuverlässigkeiten offenbaren, hat sich die Lage für Gustav längst existenziell zugespitzt: Die Sprachnachrichten sind Teil eines fingierten Comeback-Auftritts, bei dem der Musiker seine Vergangenheit im intimen Rahmen der aus zwei überkreuzten ...

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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Eva Behrendt

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