Die Bühne dreht sich, weil sie es kann
James Bond ist schon mal der elegantere Agent. Und der effektivere. Adolf Verloc in Joseph Conrads 1907 erschienenem Roman «Der Geheimagent: eine einfache Geschichte» ist dagegen ein Mitläufer, der im Jahrhundertwende-London ein bisschen in anarchistische und linke Zirkel reinschnuppert. Ein Spitzel, der der Polizei Tipps über die Umtriebe in diesen Zirkeln gibt. Ein Doppelagent, der der Botschaft einer fremden Macht (bei der es sich entweder um das zaristische Russland oder um das Deutsche Reich handeln dürfte) Berichte über die gesellschaftlichen Verwerfungen liefert.
Eine gescheiterte Existenz, dessen Krämerladen nur deswegen halbwegs funktioniert, weil er unter dem Ladentisch Pornografie vertickt. Und auch Verlocs Liebesleben entpuppt sich als weniger glamourös, als es das Spionage-Klischee verlangt: In Frank Castorfs «Der Geheimagent»-Inszenierung am Hamburger Schauspielhaus jedenfalls ist der orgiastische Höhepunkt erreicht, als sich der Titelheld (Charly Hübner) von seiner Frau Winnie (Anne Müller) mit der Mentholsalbe Wick VapoRub einreiben lässt.
Nach dem 11. September 2001 erlebte der bis dahin in Conrads Werk vor allem als psychologisch-politischer Kriminalroman ...
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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Falk Schreiber
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