Die Bühne dreht sich, weil sie es kann
James Bond ist schon mal der elegantere Agent. Und der effektivere. Adolf Verloc in Joseph Conrads 1907 erschienenem Roman «Der Geheimagent: eine einfache Geschichte» ist dagegen ein Mitläufer, der im Jahrhundertwende-London ein bisschen in anarchistische und linke Zirkel reinschnuppert. Ein Spitzel, der der Polizei Tipps über die Umtriebe in diesen Zirkeln gibt. Ein Doppelagent, der der Botschaft einer fremden Macht (bei der es sich entweder um das zaristische Russland oder um das Deutsche Reich handeln dürfte) Berichte über die gesellschaftlichen Verwerfungen liefert.
Eine gescheiterte Existenz, dessen Krämerladen nur deswegen halbwegs funktioniert, weil er unter dem Ladentisch Pornografie vertickt. Und auch Verlocs Liebesleben entpuppt sich als weniger glamourös, als es das Spionage-Klischee verlangt: In Frank Castorfs «Der Geheimagent»-Inszenierung am Hamburger Schauspielhaus jedenfalls ist der orgiastische Höhepunkt erreicht, als sich der Titelheld (Charly Hübner) von seiner Frau Winnie (Anne Müller) mit der Mentholsalbe Wick VapoRub einreiben lässt.
Nach dem 11. September 2001 erlebte der bis dahin in Conrads Werk vor allem als psychologisch-politischer Kriminalroman ...
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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Falk Schreiber
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
18. nach Fallada, Kleiner Mann – was nun?
R. Susanne Schmelcher
AACHEN, THEATER
7. Handke, Kaspar
R. Christian von Treskow
13. Günther, Ad Memoriam (U)
R. Ulrike Günther 15. Shakespeare, Ein Sommernachtstraum
R. Roland Hüve
AALEN, THEATER DER STADT
8. Hübner und Nemitz, Furor
R. Tonio Kleinknecht
14. Dordoigne und Durand-Mauptit,...
Mitten hinein in die Gendersternchen-Diskussionen, mitten hinein in die Diskurse zur politisch-korrekten Identifizierung aller Möglichkeiten jenseits des Binären inszeniert Friederike Heller «Hedwig and the Angry Inch». Das Musical von John Cameron Mitchell, 1998 am Off-Broadway uraufgeführt, ist sicherlich eines der unterhaltsamsten Stücke zur Debatte.
Heller...
Als der schwedische Ethnopopstar Gustav seiner Muse und Backgroundsängerin Sky nach liebestrunkener Tournee die zweite Sprachnachricht sendet, kündigt er an, seiner Frau Klara die neue Liebe zu beichten. Doch jeder Satz, den Lindy Larsson als Gustav ins Handy spricht, scheint ein neues Fettnäpfchen zu eröffnen: «It will be painful at first, but eventually she will...
