Rote Nasen in der Arena
Im Hintergrund hört man zu Beginn eine Masse jubeln. Ist es ein harmloses Fußballspiel? Oder sind es die Hinrichtungsexzesse der Französischen Revolution? Egal, in Nadja Sofie Ellers aseptischem Bühnenbild – eine Mischung aus leerem Anatomiesaal und Zirkusmanege – ist die Außenwelt ohnehin nur als fernes, surreales Echo präsent.
Die Revolutionäre leben längst in einer Blase, abgeschottet von der Welt, die sie doch eigentlich verändern wollten.
Selbst das Volk wohnt vorne im Souffleurkasten, Ole Lagerpusch verkörpert es als wankelmütigen Clown, der stets darüber jammert, nichts zu essen zu haben, aber für jeden Schwachsinn zu haben ist. Bei Johan Simons, der am Wiener Burgtheater mit «Dantons Tod» erneut seinem Faible für Clown-Endspiele nachgeht, ist alles ohnehin mehr Beckett als Büchner, mehr mechanisches Ballett als psychologische Feinmechanik.
Das Spiel ist zu Ende, die Würfel sind gefallen: Alle warten auf das eigene Abkratzen, das, wie der Titel verspricht, für Danton schneller als für Robespierre kommen wird. Simons hat keine Lust, sich mit dem Nahost-Konflikt oder anderen aktuellen Kämpfen zu beschäftigen. Für ihn ist alles blutiges Theater: rote Nasen in der Arena. Godot ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Karin Cerny
Sivan Ben Yishai Ich habe die Redaktion gefragt, ob es in Ordnung wäre, dieses Interview in schriftlicher Form zu führen. Viele reden gerade. Viele schnelle Äußerungen, hastige Worte. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich lieber geschwiegen. Ist es aber nicht. Diese Tage bringen eine Hoffnungslosigkeit mit sich, wie ich sie bislang nicht kannte.
Theater heute Wi...
AACHEN, DAS DA THEATER
22. nach Fitzek, Der erste letzte Tag
R. Tom Hirtz
AACHEN, THEATER
3. Sapienza, Die Kunst der Freude
R. Anaïs Durand-Mauptit
9. Lorenz und D’Aprile, Das Leben ein Clown (U)
R. Charlotte Lorenz und Jakob D’Aprile
ALTENBURG/GERA, THEATER
4. Böll, Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann
R....
Die Ungleichheit in Deutschland wächst, der Gini-Koeffizient für die Vermögenskluft ist auf hohe 0,81 angestiegen. Aber sozialer Widerstand will sich nicht regen. Zu tief ist die meritokratische Ideologie und die wie auch immer illusorische Aufstiegserwartung in alle Bevölkerungsschichten eingesickert.
Insofern ist es verdienstvoll, dass sich zwei Berliner Bühnen...
