Rock’n’Roll will never die
Dass Jon Fosse, der Caspar David Friedrich der Konfliktvermeidung, irgendwann den jugendlichen Übungsraum als Ort für seine introvertierten Stimmungslandschaften entdecken musste, war naheliegend. Denn in den teppichverhängten, stinkenden Kellern und Bunkerräumen mischen sich Genialitätsträume und Ängste im Rahmen der Selbstfindung, vorlauter Narzissmus und hormonale Fernsteuerung zu jenem sehr schwierigen und unentschiedenen Verhalten, das der Norweger so gerne hat.
Besonders der Bereich depressiver Romantiker, der einen erklecklichen Teil des europäischen und amerikanischen Gitarrenrocks umfasst, ist natürlich wie geschaffen für Fosses Kunst der halben Sätze.
Der kleine Einakter «Lila», den Fosse über die peinliche Zeit der ersten Akkorde, Küsse und Rockstarposen geschrieben hat und der jetzt im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses uraufgeführt wurde, trifft dann auch sehr schön den Ton jener postpubertären Zwischenzeit. Die Vorstellung von der eigenen Wirkung ist noch so unvollkommen und die Hemmung beim Anfassen noch so böse, dass alle Äußerungen bezaubernd halbgar und inszeniert auftreten. Weil sie dem Schutz der kindlichen Naivität entwachsen sind und die erwachsene ...
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