Zoome auf den Spiegel!
Schon wer 2001 bei der Biennale in Venedig den kanadischen Pavillon betrat, fand sich unverhofft in einem merkwürdigen Theaterchen wieder.
In detailgenau nachgebauten lebensgroßen Logen über einem perspektivisch verkleinerten Parkett gerieten die jeweils 16 Besucher bald in eine seltsame zweite Realität: Über die Kopfhörer, die am Eingang verteilt worden waren, spielten ihm flüsternde Stimmen, raschelnde Tüten, scharrende Füße eine akustische Welt vor, die einen vollbesetzten Kinosaal simulierte und all die kleinen Dramen einer gefaketen Realität, die sich mit dem geheimnisvollen Film noir vorne auf der Leinwand verwirrend doppelte, ihn konterkarierte oder eins mit ihm wurde. Die Irritation war beträchtlich, der kanadische Biennale-Beitrag bekam den Spezialpreis der Jury (es war übrigens dieselbe Biennale, auf der der deutsche Künstler Gregor Schneider mit seinem Haus ur, noch ein Beispiel inszenierter Realität und eine veritable Geisterbahn, den ersten Preis kassierte).
Spätestens seit Venedig sind die in Kanada und Berlin lebenden Crossover-Künstler Janet Cardiff (Jahrgang 1957) und ihr Lebensgefährte George Bures Miller weltweit gefragte Wahrnehmungsverwirrer. In London, Rom und ...
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