Ein Toter unterm Linoleum
Spröder kann ein Titel nicht sein. Aber natürlich versteckt sich darunter eine Idee, genauer gesagt: unter dem Linoleum ein Toter. Gespielt von einem lebendigen Schauspieler (Ulrich Haß); fast unmerklich hebt sich die Bauchdecke, zuckt eine Wimper.
Irgendwann, viel später, wird der Tote nicht wirklich überraschend zu sprechen anfangen, vorerst aber, von den Freunden Nikolai und Andrej beim Renovieren ihrer neuen Wohnung unterm Fußboden hervorgezogen, ist er nur bleich und ziemlich überzeugend tot, und der in vier Akte zergliederte Plot dreht sich schwanktechnisch um die Frage: Wohin mit der Leiche – und wem gehört sie eigentlich? Der Vermieter, Igor Igorjewitsch, taucht auf, man präsentiert ihm den Toten als lebendigen, wenn auch kranken Bruder, der sich nur mal «flachgemacht» hat; eine Hochzeitsgesellschaft platzt herein, entführt den Toten und setzt ihn prominent an die Festtafel, wo er regelmäßig mit dem Schädel auf den Teller sackt; später wird er, das Weinglas in der kalten Hand, zurückentführt, jemand kommt auf die abstruse Idee, sich zum Flughafen zu begeben und die Leiche vor ein startendes Flugzeug zu werfen …
Warum sie den Toten nicht einfach zur Polizei oder in ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wie wohl hätte man sich heute einen «Weltverbesserer» vorzustellen, einen, der von sich sagt, «mein Kampf ist ein Kampf um das Glück aller; sollte ich glücklich sein, so müssten es zuerst alle andern Menschen um mich herum sein»? Getroffen hat man ja schon länger keinen mehr.
Wäre so einer jung und bei Attac, wäre er ein übrig gebliebener 68er, wäre er eine...
Über den Mittag essen auch schon mal Banker im schönen Biergarten. Keine Würste, eher Piccata Milanese oder ein Tandoori. An den Wochenenden feiert ein szenenunspezifisches Publikum im Restaurant Reithalle jene Art von Allerwelts-Disco, die man in ihrem unverfrorenen Balzritual provinziell nennen mag. Und am Abend erwartet das Publikum in den ehemaligen...
Man wird ja nicht alle Jahre dreißig. Dachte sich Paines Plough und gönnte sich zum runden Geburtstag mal was ganz Besonderes: Man schenkte sich selbst acht neue Stücke.
Eigentlich nur folgerichtig. Paines Plough ist Englands wichtigstes «New Writing»-Theater ohne feste Bühne, das heißt, man tourt Frischgeschriebenes durch’s gesamte Vereinigte Königreich. Die...
