Realitätsnahes Trauerspiel
Es ist das Ende, auf das man hier hinfiebert. Schiller hatte für «Die Verschwörung des Fiesco zu Genua» gleich drei in petto: In dem einen wird der Volkstribun und Verschwörer zum Republikaner, in den beiden anderen bringen die Republikaner den Möchtegern-Fürsten um die Ecke, entweder ertränkt vom Gewicht des Hermelin oder schnöde durch den Dolch. Oh Brutus. Regisseur Alexander Nerlich hat nun in Chemnitz dieses republikanische Trauerspiel klar fokussiert in die Welt geworfen.
Hier fegt eine Handvoll republikanischer Aristokraten mit Hilfe des populistischen Fiesco von Lavagna den unliebsamen neuen Despoten Gianettino Doria in einer Art Staatstreich aus Notwehr davon. Doch was dann?
Nerlich hat den Schiller-Text dazu massiv entschlackt und auf die wichtigsten Handlungsstränge eingedampft. Zudem hat er einige Stränge geklärt, sodass Fiesco (Alexander Ganz-Kuhl) und seine Frau Leonore (Andrea Zwicky) von Anfang an als verschwörerisches Macbeth-Paar auflaufen. Den angeheuerten konspirativen Muley Hassan legt Katka Kurze mit grotesk verformten Beinen mit neuem Figurennamen als (Mein-Name-ist-)«Hase» an, eine Mischung aus Goebbels, Hanswurst und Mephisto. Der Rest des Ensembles ergänzt ...
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Theater heute April 2025
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Torben Ibs
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