Please, let there be peace
Ziemlich genau vor einem Jahr gewann Christopher Nolans großes Filmepos «Oppenheimer» über den Bau der ersten Atombombe sieben Oscars. Dabei sparte der Film – wahrscheinlich aus dramaturgischen Gründen – den einzigen Wissenschaftler aus, der das geheime Manhattan-Projekt und Los Alamos bereits im Jahr 1944 aus ethischen Gründen verlassen hatte: den polnisch-britischen Kernphysiker Joseph Rotblat, der 1955 dann zusammen mit Albert Einstein und Bertrand Russell das Russell-Einstein-Manifest initiierte.
Im Jahr 1995 wurden ihm und den von ihm gegründeten Pugwash-Konferenzen, die sich für internationale Sicherheit, für Abrüstung und Strategien zur Vermeidung eines Atomkriegs einsetzten, der Friedensnobelpreis verliehen.
Tief ins 20. Jahrhundert – vor den Zweiten Weltkrieg und dann mitten in den Kalten – reist nun das theatrale Bio-Pic der polnischen Dramatikerin Marta Sokolowska «Please, let there be peace» zurück, das in fragmentarischen, szenischen Rückblicken diese Leerstelle füllt. Dabei fokussiert sich Sokolowska ihrerseits auf die öffentlich wenig bekannte (und sowohl von Wikipedia wie nobelprize.org ausgesparte) jüdische Herkunft und Geschichte von Rotblats Familie – die er ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2025
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Anja Quickert
Philoktetes ist der größte griechische Kämpfer im Krieg um Troja, unbesiegbar und ausgestattet mit einem magischen Bogen. Allerdings leidet er nach einem Schlangenbiss unter einer eiternden und ekelhaft stinkenden Wunde, weswegen die Armee ihn aus Gründen der Kampfmoral auf einer Insel aussetzte. Dumm nur, dass damit auch das Schlachtenglück perdu ist, weswegen...
Simone und Erik sind ein modernes Paar. Die Protagonisten aus Marius von Mayenburgs Komödie «Egal» haben zwei Kinder und gute Jobs – und trotzdem kriegen sie das alles irgendwie hin. «Wir sind halt die Avantgarde!», sagt Erik. Doch das ist bei genauerer Betrachtung einigermaßen übertrieben. Die Wahrheit ist, dass Kinder und Karriere auch in dieser Beziehung nur...
Das Atmen fällt dem Alten schwer. Die Sauerstoffmaske im Gesicht, die Wangen fahl, die Lider verschlossen: Selbst als Todgeweihter überschattet Thomas Lind sein Königreich, das Theater, im Cine -mascope-Format. In Linds Backstage-Empire, für jedermann durch den Videoscreen im Stuttgarter Schauspielhaus sichtbar, macht sich schon seine Tochter breit. Sie hat Linds...
