«Die Welt ist nun mal unfair»
Der Wiener Vogelweidpark gleich hinter der Luger City Einkaufsmall gehört trotz einiger Aufhübschungsbemühungen zu den eher tristen Aufenthaltsorten der Donaumetropole. Wer dort auf der Parkbank abhängt, hat in der Regel zu wenig Geld fürs Kaffeehaus und jede Menge Zeit zum Nachdenken. Zumindest Letztere haben die vier jungen Ex- oder Immernoch-Kleindealer Hassan, Omar, Murat und Freddie allerdings gut genutzt.
Denn was sie zwischen der einen «Sportzigarette» und der nächsten Tüte an Reflektion und Felderfahrung so nebenbei raushauen, nimmt es locker mit jedem gesellschaftspolitischen Seminar zum Thema Migration und Folgendes auf.
Wenn sich zum Beispiel Hassan, Österreicher mit exiliranischen Eltern, fragt, wer denn nun Schuld daran habe, dass sein Bruder gerade auf ein Urteil wegen Drogenkleinvertrieb und der Rempelei bei der Festnahme wartet, der bekommt eine so differenzierte Antwort, die das Problem, weil komplex, dennoch genau erfasst: Seines Bruders Schuld, weil er «jahrelang sich diesen Weg ebnete», seine eigene Schuld, weil «ich jahrelang auf Einsicht hoffte», und nicht zuletzt eure Schuld, «die ihr jahre -lang nur zugesehen habt». Also sollte man die Schuldfrage, weil ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2025
Rubrik: Das Stück, Seite 50
von Franz Wille
Figuren
Hassan der Bruder
Shirin die Schwester
Omar, Murat, Freddie die Freunde
WIEN – HEUTE – ZWEITAUSENDUNDDREIUNDZWANZIG
SZENE 1!
DIE ERSTE NACHRICHT!
Ein dunkler Raum.
Irgendwo in Wien.
Klänge nahöstlicher Saiteninstrumente im Hintergrund.
Ein einziger Lichtkegel scheint
von der Decke auf
HASSAN
der denkt
und verarbeitet
der seziert
und sich therapiert
und
...
Englisch» – wenn er über Stücke und Aufführungen sprach, kannte Jürgen Bosse kein höheres Prädikat. Und meinte damit schnörkelloses Schauspielertheater, direkte Töne, klaren Gegenwartsbezug. Sein unprätentiöses Ideal verfolgte er als langjähriger Schauspieldirektor und Intendant in Mannheim, Stuttgart, Essen, der auch an der Wiener Burg und am Schauspielhaus Zürich...
Das Atmen fällt dem Alten schwer. Die Sauerstoffmaske im Gesicht, die Wangen fahl, die Lider verschlossen: Selbst als Todgeweihter überschattet Thomas Lind sein Königreich, das Theater, im Cine -mascope-Format. In Linds Backstage-Empire, für jedermann durch den Videoscreen im Stuttgarter Schauspielhaus sichtbar, macht sich schon seine Tochter breit. Sie hat Linds...
