Ravenhills Patenkinder

Seit Grzegorz Jarzyna und Krzysztof Warlikowski vom Warschauer Teatr Rozmaitosci in Deutschland inszenieren, hat sich das deutsch-polnische Theaterverhältnis intensiviert. Gerade zeigten das 3. Forum für zeitgenössische Dramatik am Bremer Theater und das 30. Festival Reminiscencje Teatralne in Krakau, dass Warlikowski/Jarzyna schon alte Hasen sind: Auf den jungen polnischen Bühnen regieren jetzt «leidenschaftlicher Neo-Realismus» und «das neue Realitätsprinzip». Ob das auch fürs deutsch-polnische Jahr 2005/2006 gilt?

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Krakau hat ähnlich viele Theater und Theaterchen wie Kirchen und Kapellen – und das will was heißen. Krakau hat aber auch – trotz Tadeusz Kantor und alledem – den Ruf einer kulturell konservativen Stadt; das Neue erwartet man eher aus Warschau oder Danzig. Beständigkeit ist eben ein unübersehbarer Wert zwischen jahrhundertealten Bürgerhäusern, der majestätischen Wawel-Burg und den Resten einer mittelalterlichen Stadtmauer.

 

So gesehen markiert das Krakowskie Reminiscencje Teatralne als Festival zeitgenössischer Theaterformen einen nicht unwichtigen Kontrapunkt zur deutlich auf Repräsentation angelegten traditionsreichen Theaterlandschaft der Stadt. Und steht gleichzeitig längst selbst für eine alles andere als selbstverständliche Beständigkeit: Seit dreißig Jahren bereits finden die «theatralischen Reminiszenzen» statt, die einst aus dem Geist des Studententheaters entstanden.

Politische Veränderungen der Jahre haben sich immer im Festivalprogramm gespiegelt – mal mehr als Opposition, mal mehr als Anpassung, oft im leidenschaftlichen Konflikt mit der Zensur, wie sich der Regisseur und langjährige Festivalmacher Krzysztof Lipski erinnert: Manchmal waren die Gruppen schon auf dem Weg ...

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Theater heute Juli 2005
Rubrik: Ausland Polen, Seite 24
von Florian Malzacher

Vergriffen
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