Ok, Boomer!
Wenn du mit mir reden könntest, was würdest du sagen?», fragt Nicola ihren Freund Christof zu Beginn des Stücks. Christof ist Anfang Zwanzig, an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und liegt im Sterben. Ein letztes Mal möchte Nicola mit ihm einen Tag verbringen – so wie früher, als er noch gesund war. Sie nimmt ihn mit auf eine imaginäre Reise an jene Orte, die ihnen etwas bedeutet haben: das Café, in dem sie sich kennenlernten, ihre alte Schule, das Schwimmbad, der Fernsehturm. Noch einmal tanzen und miteinander schlafen.
Die Intensität ihrer Erlebnisse feiert ihre tiefe Verbundenheit voller Lebensfreude. Glücklich, den Planeten endlich zu verlassen, verabschiedet sich Christof schließlich mit sarkastischem Humor, denn «die ganze Welt wird brennen. Ich bin froh, dass ich hier rauskomme, ehe ich mir den Scheiß anschauen muss.»
In dieser Reise durch die Stadt begegnen wir Menschen, die Christof nahestehen. Da ist Walter, Christofs Vater, der den Unfalltod seiner Frau nicht verwunden hat und den Anblick seines sterbenden Sohns nicht erträgt. Der in Schwermut versinkt und sich in seine Arbeit als Automobilverkäufer flüchtet. Und Christofs Onkel Matheus, der wegen Besitzes von ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 161
von Ingoh Brux
Ein ganzer Berggipfel in Tirol bricht ab, weil die Permafrostböden mitten in Europa schmelzen, New York versinkt im orangenen Rauch, Jahrhunderthochwasser überschwemmen Teile Deutschlands, in Sachsen und Brandenburg brennen die Wälder, Afrika verzeichnet immer dramatischere Dürren. Das alles ist bereits unser Alltag, genau die Welt, vor der noch vor ein paar...
Eine Bugwelle postpandemischer Theatervorhaben flutet seit Monaten die Sitzungen der Fördergremien des Freien Theaters in Deutschland. Die gute Nachricht lautet: Die performativen Künste haben die Coronakrise überlebt. Klug gestrickte Hilfsprogramme des Bundes und der Länder haben viele Theaterschaffende unterstützt, die nicht durch stabile Strukturen in Stadt- und...
Das Paradies ist uns abhanden gekommen. Es gehört uns nicht (mehr). Folgen wir dem mythologischen Fußabdruck, ist die Menschheit – seit der Vertreibung Adams und Evas aufgrund entwickelten Bewusstseins – quasi pausenlos auf der Suche nach Unterwerfung, Beheimatung und Besitz. Sesshaftigkeit bildete die direkte Achse zum Wohneigentum, zur Inbesitznahme von Pflanzen,...
